Samstag, 10. Mai 2014

Kurzer Bericht vor langen Ferien

Hier noch ein kurzer Bericht mit ein paar Fotos, bevor es dann ab dem 16. Mai auf eine vierwöchige Reise mit meinem Vater geht. Danach werde ich sicher wieder sehr viel zu erzählen haben.

Nördlich unseres Hauses gibt es einige sehenswerte Bäume, und zwar sind dies sogenannte Würgefeigen:

Einige Ficus-Arten sind Würgefeigen. Die Samen werden von Vögeln gefressen und passieren unbeschädigt den Verdauungstrakt. Wenn sie im Kot der Vögel auf den Ast eines Baumes ausgeschieden werden und dort dank der mistelähnlich schleimigen Samenhülle kleben bleiben, keimen die Samen auf dem Ast. Die Feigenpflanzen wachsen direkt dort; es handelt sich also zunächst um Epiphyten. Doch deren Luftwurzeln wachsen zum Boden hinab. Erreichen die Wurzeln den Boden, beginnen die Feigen ein schnelleres Wachstum und bilden von nun an viel mehr Luftwurzeln. Sie umschließen allmählich ihren Trag- oder Wirtsbaum, der schließlich abstirbt, wodurch sich im Inneren der Würgefeige ein Hohlraum bildet. Die Würgefeige profitiert zusätzlich von den bei der Zersetzung des abgestorbenen Tragbaumes freiwerdenden Nährstoffen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Feigen
 


Letztlich waren wir endlich wieder mal in Sarodrano, um während einigen Tagen (über Ostern) auszuspannen.

Hier bei einem Spaziergang zum nahe gelegenen St. Augustin. Leider mussten wir zurückkehren, bevor wir das Dorf erreichten, da die uns begleitenden Hunde - sechs an der Zahl - wie Wölfe über Ziegen hergefallen sind. Getötet wurde zum Glück keines der Tiere.
Das idyllische Fischerdorf St. Augustin.
Ein paar Fotos der Pflanzenwelt, die unterwegs anzutreffen ist. Die meisten Bäume und Sträucher sind nach der Regenzeit trotz der jetzigen Trockenzeit noch schön grün:






Hier bei einem Ausflug auf das gegenüberliegende Festland:

Die Dorfschule...
Letzte Ruhestätte mit Sicht aufs Meer.
Diese Spinne hat auch eine sehr schöne Aussicht.
Eine selten hässliche Schabe.
Am Geburtstagsfest von Anna, der Frau meines Arbeitskollegen Stefan:





Nun wünsche ich euch allen eine gute Zeit, ihr werdet Ende Juni wieder von mir hören.

Matthias

Mittwoch, 2. April 2014

Unspektakuläre Neuigkeiten

Ich glaube es geht mir ähnlich wie den meisten von euch: man ist in seinem Alltag, seiner täglichen Routine mit Arbeit, Freizeit und sonstigen Verpflichtungen "gefangen", wobei oft nicht viel aussergewöhnliches oder nennenswertes passiert. Da ist es dann für mich recht schwer, einen interessanten Bericht zu verfassen. Denn wer will schon zum x-ten mal über eine Reise nach Fianarantsoa oder Tana oder Morombe oder über ein im Solarofen gegrilltes Poulet lesen, auch wenn es noch so gut schmeckt!? Trotzdem ist es wieder einmal an der Zeit, einige Zeilen an euch treue Leser zu schicken. Darum versuche ich euch in einer eher unspektakulären Zeit ein paar interessante Sachen zu berichten.

Arbeit
Im Januar haben wir einen neuen Chef bekommen, da Otto und seine Frau Lisa nach sieben Jahren Tätigkeit für die ADES in Madagaskar wieder in die Schweiz zurückgekehrt sind. Wegen unterschiedlicher Ansichten über die Zukunft der ADES haben sich der Vorstand und der neue Chef allerdings bereits im Februar entschieden, getrennte Wege zu gehen. Nach einigen turbulenten Wochen hat sich die neue Situation mittlerweile gut eingependelt und nun warten wir gespannt auf einen Nachfolger, der seine Tätigkeit dann hoffentlich etwas länger ausüben wird.

Momentan sind wir auch auf der Suche nach einem weiteren Informatiker zu meiner Entlastung und zur Absicherung der ADES. Da ich bis jetzt die ganze Informatik alleine unterhalte und somit als einziger über alle informatikrelevanten Themen Bescheid weiss, wäre ein Abgang oder Ausfall meinerseits für die ADES eine mittlere Katastrophe. Die eingereichten Bewerbungen lassen mich hoffen, einen geeigneten Kandidaten zu finden. Wir haben acht Leute zu einem Test aufgeboten, der nächsten Montag in Fianarantsoa stattfinden wird. Am Dienstag werden wir die besten drei Kandidaten zu einem Vorstellungsgespräch einladen und dann hoffentlich einen super Informatiker gefunden haben.

Ausbildung
Vom November bis Ende März hatten wir bei der ADES zwei Informatik-Praktikantinnen, welche während den vier Monaten ein Projekt zum Abschluss des Schuljahres realisiert haben. Leider waren die zwei eine recht grosse Enttäuschung. Nicht nur keine Ahnung von nichts, sondern auch ein absolutes Desinteresse, ihre Wissenslücken so gut wie möglich zu schliessen. Facebook und Youtube sind halt um einiges interessanter als so trockene Themen wie "Netzwerkkonfiguration". Wobei man in ihrem Fall eigentlich gar nicht von Wissenslücken sprechen kann, denn eine Lücke bedingt ja, dass drumherum etwas vorhanden ist. Schlussendlich haben sie dann ihren Server mit einer minimalistischen Konfiguration zum laufen gebracht und ihre vor Falschangaben und unfundierten Aussagen strotzende Dokumentation geschrieben.

Heute war dann die Präsentation, welche eigentlich nicht schlecht war, aber halt auf ihrem ungenügenden Projekt basiert. Nach der Präsentation die erste grosse Überraschung: die Studentinnen und die Zuschauer wurden gebeten, den Raum während der Notenbesprechung zu verlassen, und ich als Verantwortlicher der ADES sollte bei der Bestimmung der Projektnote mitreden. Das wurde mir nicht im Voraus mitgeteilt, ich dachte, dass ich nur als Zuhörer zur Präsentation eingeladen wurde. Ich hatte aber kaum Zeit, mich von meiner Überraschung zu erholen, schon hat der Präsident der Schule ohne jegliche Absprache mit uns drei Experten eigenhändig die Note festgesetzt. Und was für eine Note: 19/20! Und dies für ein Projekt, das nach meinem Ermessen hochgradig ungenügend gewesen wäre. Meine Vermutung ist, dass die Note schon vor der Präsentation feststand. Geld regiert bekanntlich die Welt, leider bildet Madagaskar da keine Ausnahme. Mit einem dicken Portemonnaie lässt sich also sogar eine gute Note kaufen. Jetzt wisst ihr auch, warum ich meine Kandidaten einem Test unterziehe. Denn hier in Madagaskar will ein Diplom noch nicht viel heissen. Das ist leidergottes eine traurige Tatsache und einer der Gründe, warum Madagaskar wirtschaftlich einfach nicht vom Fleck kommt.

Ich habe aber jetzt wieder einiges gelernt. Bei den nächsten Praktikanten werde ich vorsichtiger und von Anfang an viel strenger sein. Wer nicht tut wie er soll, der fliegt. Und auch bei der nächsten Präsentation werde ich gewappnet sein und mich bei Situationen wie der heutigen quer stellen. Freunde macht man sich damit zwar keine, aber dafür leistet man einen Beitrag zur Verbesserung der Qualität der Ausbildung. Vielleicht...

Arbeitssuche
Für alle die es noch nicht wissen: Thania und ich planen fest, ab nächstem Jahr für eine längere Zeit, d.h. mindestens ein wenn nicht sogar zwei oder drei Jahre, in die Schweiz zu ziehen. Wir verschicken Bewerbungen an verschiedene medizinische Labors und klären auch mögliche Studiengänge an Universitäten ab. Bis jetzt haben wir noch nichts Definitives gefunden und wir sind uns auch bewusst, dass es ein sehr schwieriges Unterfangen ist. Ich bin aber trotzdem optimistisch, denn bis jetzt hat sich noch immer etwas ergeben. Falls uns jemand bei unserem Vorhaben unterstützen möchte, nur melden :-) Thania hat übrigens eine Ausbildung als "Biomedizinische Analytikerin".

Ausflug
Letzten Samstag haben wir mit dem SALFA, das ist das Spital, in dem Thania arbeitet, einen Ausflug an den Strand gemacht. Es war ganz nett, aber auch nicht berauschend. Der nur ungenügend grosse Schattenplatz und die Strandaktivitäten haben die lange Fahrtzeit nicht wirklich kompensiert. Ein Highlight war aber die Vorstellung der verschiedenen Mitarbeiter mit ihren Familien. Da waren einige wirklich sehr kreativ bei der Namensgebung ihrer Kinder. Beispiel: Vater Pascal, Tochter Pascalina und Sohn Pascalin war ein sehr munteres Trio. Auch der Herr Basile mit seinen Kindern Basilien, Basilius, Basilio und Basilique haben mir mehr als nur ein Schmunzeln abverlangt. Dass die Herren Pascal und Basile Brüder sind, setzt dem ganzen aber noch die Krone auf. Um meinen Bericht abzurunden, hier ein paar Fotos des Ausfluges nach Madiorano:

Wo ist Walter?

Nachdem beim Fussball im wahrsten Sinne die Luft draussen war, mussten wir halt vom Ball- zum Boules-Spiel umsteigen.

Eine Laune der Natur.

Wir waren bei weitem nicht die einzigen, die an diesem Samstag einen Ausflug unternommen haben.
Eine schöne Woche und bis zum nächsten mal!

Matthias

Sonntag, 16. Februar 2014

Ein Sonntag Morgen auf Balkonien

Der Sonntagmorgen ist einer meiner Lieblingsmomente der ganzen Woche - besonders wenn es das Wetter erlaubt, auf der Terrasse zu frühstücken (was hier in Tuléar meistens der Fall ist). Dies in Kombination mit einem guten Buch - das ist für mich Entspannung pur!


In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen geruhsamen Sonntag und eine schöne nächste Woche.

Matthias

Sonntag, 2. Februar 2014

Arbeit in Fianarantsoa

Nach heftigen Regengüssen und den damit verbundenen Pfützen in unserer Wohnung herrscht nun nach Stromausfall und ironischerweise auch Wasserunterbruch wieder Normalzustand. So kann ich nach langer Funkstille endlich wieder einmal einen Bericht mit Fotos verfassen. Diese Woche war ich wieder in Fianarantsoa, da ich im Dezember nicht die ganze Arbeit abschliessen konnte. Die Installation des Netzwerks konnte ich bei jenem Besuch zwar fertigstellen, für die Konfiguration des Servers hat es allerdings nicht gereicht. Das habe ich nun diese Woche nachholen können. Hier einige Fotos zur Reise und zur getanen Arbeit:

Unterwegs haben die Arbeitskollegen Kohle gekauft, da sie hier erstens günstiger und zweitens von besserer Qualität ist als in Fianarantsoa. Das Traurige an der ganzen Sache ist, dass die Kohle aus dem Holz von Tamarindenbäumen hergestellt wird. Diese Bäume haben Früchte, die vorher jedes Jahr genau an dieser Stelle verkauft wurden. Es scheint aber lukrativer zu sein, die Bäume zu fällen und zu Kohle zu verarbeiten, als den Verkauf der Früchte abzuwarten.
Kohleverkäuferin
Zur Abwechslung mal ein Foto meiner Arbeit: Der installierte Server mit dem UPS und oben der Netzwerkdrucker.
Die Produktionsstätte unserer Sparkocher aus Ton in Fianarantsoa.

Wem das Detail im vorherigen Bild nicht aufgefallen ist, hier eine Vergrösserung: die Schweizer Bahnhofsuhr soll in diesem neuen Zentrum Schweizer Pünktlichkeit vermitteln.
Mittagessen unterwegs: "Akoho saosy" - "Poulet an Sauce", natürlich als Beilage zum obligaten Reis.
Nun wünsche ich euch allen einen recht schönen und erholsamen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche!

Matthias

Montag, 30. Dezember 2013

Interview RadioFR

Für alle, die die Interviews auf Radio FR noch nicht gehört haben oder noch einmal hören möchten, habe ich eine kleine Diashow zusammengebastelt:




A gueta Rutsch iz nüe Jahr wünscheni aune!

Matthias

Samstag, 14. Dezember 2013

Viele viele schöne Fotos

Wie versprochen hier einige Fotos, die ich in einer Nachtschicht in mühseliger Arbeit alle einzeln eingescannt habe. Darum auch die zum Teil etwas schlechte Qualität. Es ist wohl doch mal an der Zeit, eine digitale Spiegelreflex zu beschaffen...

Morgen Sonntag geht es auf die letzte Reise (für dieses Jahr), nämlich nach Fianarantsoa. Dann wird es wieder ein wenig ruhiger die nächsten Wochen. Das Schöne an der ganzen Rumreiserei ist natürlich, dass man so einiges sieht oder kameratechnisch gesprochen vor die Linse kriegt. Leider fehlt dann aber oft die Zeit, um die gewonnenen Schnappschüsse zu teilen.

Hier aber jetzt als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk endlich die Fotos:

Tuléar

Eine kleine Wüste muss durchquert werden, bevor man den Strand in der Nähe von Tuléar erreicht.

Sandele für Grosse.
Ein Renault 4L allein auf weiter Flur, auf dem Weg zurück ins Stadtzentrum.

Ein Nickerchen am Strand.
Der Motor eines 4L, der sprichwörtlich mit "Klebe und Spucke" zusammengehalten wird.
Ein köstliches Mahl - nämlich gegrillte Langusten und Fisch - am Strand.
Junge am Strand von Mangily.
Früher Abend, die Zebus werden vom Grasen zurück in ihren Stall gebracht.
Feuerholz- und Kohle-Verkäufer am Strand von Mangily.
Der Geist eines Pousse-pousse auf den Strassen von Tuléar.

Morondava

Angepriesenes Essen auf dem Weg nach Morondava. Tafel Links: Reis mit Huhn, rechts: Früchte des Tamarindebaums.
Kurz vor den Wahlen (siehe Plakat rechts). Ob sich für solche Leute bald etwas ändern wird?
Ein toller Fang (der Fisch...)!
Hier zwei Fotos in extrem schlechter Qualität, da hat mir das Labor in Tuléar den Film versaut. Ein weiterer Grund, endlich in das digitale Zeitalter einzutreten :-)
Kokosnussverkäuferin
Wie ihr seht geht es mir gut, hier mit Tales, einem Freund von Thania, der zufälligerweise auch in Morondava war.
Brillenverkäufer, ob er den Durchblick hat?
Man kann sich das Leben mit kleinen Dingen sehr viel einfacher machen!
Wann die Swisscom wohl solche Boxen aufstellen wird, damit Leute wie ich schnell und überall an neues Guthaben kommen!?
Was gibt es schöneres als im Schatten eines Baumes auszuruhen - auch wenn es eher ein Bäumchen ist?
Plausch am Strand.

Fianarantsoa

Im November haben wir in Fianarantsoa unser neues Zentrum eingeweiht. Alle Mitarbeiter aus allen Zentren waren zu diesem Anlass eingeladen. Dieses neue Zentrum wird es uns erlauben, unsere Produktion der Sparkocher von ca. 15'000 Stück im 2013 auf 30'000 im 2014 zu verdoppeln! Auf einen Schlag wurden so auch fast 50 Arbeitsplätze geschaffen. Und das mitten in der seit fast 5 Jahren andauernden Krise. Nicht schlecht!

Unser Nationale Koordinator Otto Frei bei seiner Ansprache.

Cécile, die Direktorin des neuen Zentrums bei ihrer Ansprache. Nebenbemerkung: mehr als die Hälfte der Direktorenposten bei ADES sind von Frauen besetzt. Auch nicht selbstverständlich in einem doch eher von Männern dominierten Land.

Nach der Zeremonie dann Speiss und Trank - dabei dürfen natürlich auch Musik und Tanz nicht fehlen.

Unterwegs nach Fianarantsoa. Es ist schön, wie die Reisfelder jetzt schön grün erblühen. Diese Mädchen kamen, sobald sie uns fotografieren sahen, aus den gegenüberliegenden Häusern angerannt.

Esperance, die Erdnussverkäuferin. Das war an einem Sonntag, ich hoffe doch, dass sie am Montag zur Schule ging...

Gemüseverkäuferin aus der Vogelperspektive.

Mahajanga

Ausblick auf das Meer und die Segelboote.

Wäscheaufhängen auf Seemanns- respektive Seefrau-Art.

Ladungen, so schwer dass sich die Balken biegen.
In dieser Hitze muss man sich ein Mittagsschläfchen gönnen.
Auch diese Pousse-pousse Fahrer sind im Schatten sicher wohler als an der brütenden Hitze.
Transport auf Land- und Seeweg.
Dieser Verkäufer ist noch ein paar Stunden zu früh. Der "Bord de la mer" wird erst am Abend frequentiert - dafür ist dann oft fast kein Durchkommen mehr (etwa so wie am "Martinsmäret" in Düdingen).

  Ejeda

Vorsicht vor den beissenden Ziegen!
Posen wie die Grossen.
Leute bei einer Verteilung unserer Produkte. Hier in einem Lepra- und Tuberkulosezentrum ausserhalb von Tuléar auf dem Weg nach Ejeda. Im Vordergrund unser Solarkocher mit Solarpanels, um beim Kochen gleichzeitig Batterien und Handys aufzuladen und Radio zu hören. Die aufgeladene Batterie kann dann in der Nacht zur Speisung einer LED-Lampe gebraucht werden.

Typisches Grab hier im Süden von Madagaskar. Natürlich ein Einzelgrab - wir wollen im Jenseits doch erste Klasse gebettet sein.
Auch typisch die Hörner und Holzschnitzereien. Je mehr, desto besser, da dies ein Zeichen von Wohlstand ist.
Falls man sich in den nächsten Wochen nicht mehr hören sollte (was leider bei vielen zu erwarten ist), wünschen wir euch allen schon jetzt schöne bevorstehende Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Thania und Matthias