Mittwoch, 9. Februar 2011

Ferienbericht, Teil 2

Jetzt ist es wieder mal an der Zeit, mit den Ferienberichten fortzufahren und euch einige Fotos zu zeigen. Nach Trujillo sind wir wieder zurück nach Lima, um uns ein bisschen zu erholen und unsere Kleider zu waschen. Einige Tage später sind wir aber los zum zweiten Teil der Reise - Richtung Süden.

Huacachina

Unser erster Halt war Huacachina, etwa fünf Busstunden südlich von Lima. Dies ist eine Oase mitten in der Wüste (zur Erinnerung: die ganze Küstenregion in Peru ist fast ausschliesslich Wüste, auch Lima liegt in einem Wüstengebiet).

Ich hatte irgendwie mehr Mühe mit dem heissen Sand als Läncu und Phili. Darum trotte ich da etwas mürbe hinterher. Die Oase mit der ganzen Vegetation ist aber sehr schön.

Am Nachmittag haben wir eine Buggy-Tour gemacht. Zwei Stunden lang die Dünen rauf und runter. Wir konnten auch mit einem Sandboard die Dünen runterflitzen.

Hier wähnt man sich Abseits jeder Zivilisation.

Und noch ein Foto zum Schmunzeln. Aber vor Freude mussten wir doch ein paar Luftsprünge machen.


Arequipa

Unsere nächste Etappe war Arequipa. Etwas sehr bekanntes in Arequipa ist die Mumie Juanita, sie wird auch "Jungfrau aus dem Eis" genannt. Zur Zeit der Inka, also vor etwa 550 Jahren, wurde sie dem Berg Ampato geopfert. Da ihr Körper auf über 5000 Meter lag, ist er bis heute sehr gut konserviert. Im Museum liegt diese Mumie in einem auf -19°C gekühlten Glaskasten. Im Januar war Juanita leider nicht im Ausstellungsraum, dafür eine andere Mumie. Fotos durften wir keine schiessen, darum hier ein Bild von Juanita aus dem Internet:

Zur Zeit der Inka war es eine grosse Ehre, für die Götter (nicht nur die Sonne, sondern auch Berge waren für die Inka Götter) geopfert zu werden. Nur die schönsten und reinsten Kinder kamen dafür in Frage. Juanita war ein etwa 14-jähriges Mädchen, 1,40 Meter gross, schlank, von atemberaubender Schönheit, kerngesund, hatte schöne Zähne und starke Knochen und eine gute und ausgeglichene Ernährung. Am Tag vor der Opferung hat sie gefastet. Getötet wurde sie kniend, durch einen Schlag auf den Kopf mit einem harten Gegenstand. Anscheinend war sie augenblicklich tot.

Am Tag nach unserer Ankunft war die Vereidigung des neuen Bürgermeisters. So konnten wir also die Prozession und Tänze in der lokalen Tracht mitverfolgen.

Arequipa wird auch die "Weisse Stadt" genannt, weil sie zu einem Grossteil aus weissem Vulkangestein gebaut ist. Hier oben die "Plaza de Armas".

Mit einer Million Einwohner ist Arequipa nach Lima die zweitgrösste Stadt Perus.


Cañon del Colca

Rund um Arequipa gibt es verschiedene Schluchten. Um die Natur hautnah zu erleben, haben wir einen zweitägigen Ausflug durch den "Cañon del Colca" gemacht.

Auf dem Weg haben wir beim bekannten "Cruz del Condor" Halt gemacht. Wir hatten viel Glück. Die Kondore waren nicht nur dort...

... sondern wir konnten sie auch beim Fliegen beobachten.

Im ganzen waren etwa sieben Stück unterwegs. Wir waren also genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Es war ein bisschen deprimierend, das Ziel schon vor Augen zu haben aber genau zu wissen, dass man noch ungefähr sieben Stunden wandern muss, bevor man es erreicht.

Und hier ein bisschen vergrössert. Die Swimmingpools haben schon auf uns gewartet.

Am zweiten Tag dann der Aufstieg. Für die 1000 Höhenmeter haben wir etwa zwei Stunden gebraucht. Danach waren wir zwar geschafft, aber auch glücklich. Und zum Entspannen stand dann ein Besuch in einem Thermalbad auf dem Programm. Auf der Tour durch die Schlucht haben wir Urs und Julia aus dem Kanton Bern kennen gelernt. Danach waren wir per Zufall am gleichen Tag auf dem Machu Picchu und nach den Ferien habe ich die beiden noch einmal in Lima gesehen. Wie klein die Welt manchmal ist.

Bis zum nächsten mal.

Matthias

Freitag, 4. Februar 2011

Planänderung

Jetzt ist es also tatsächlich so, dass ich früher nach Hause komme als geplant. Allerdings nicht, weil es mir hier nicht gefallen würde. Denn nach den anfänglichen Schwierigkeiten habe ich mich ja sehr gut eingelebt und mich wohl gefühlt.

Dann vor ein paar Monaten habe ich angefangen, in Madagaskar Arbeit zu suchen. Dass ich dorthin will, habe ich im Verlauf der Zeit hier in Peru immer mehr gemerkt. Leider erweist sich die Suche als schwieriger als gedacht, dies hat wohl unter anderem mit der heiklen politischen Lage zu tun.

Nichtsdestotrotz möchte ich nach Madagaskar gehen und alles Menschenmögliche unternehmen, um dann hoffentlich eines Tages für eine Hilfsorganisation arbeiten zu können. Darum verkürze ich meinen Peruaufenthalt und reise am Montag 14. März hier ab und komme dann am Dienstag 15. März in der Schweiz an. Hoffentlich ergibt es sich, dass ich für zwei oder drei Monate zu Hause arbeiten kann, bevor ich nach Madagaskar gehe.

Ich wünschte ich könnte euch schreiben, dass ich meine Traumanstellung gefunden habe. Aber die Situation ist nun mal eine andere. Trotz des noch ungewissen Ausgangs in Madagaskar freue ich mich doch auf diese Herausforderung. Und vor allem, euch schon bald wieder zu sehen!

Bis dann

Matthias

Mittwoch, 2. Februar 2011

Resultat der Spendenaktion

Diese Woche hatte ich das Vergnügen, den gespendeten Gesamtbetrag von

13'900 Franken

für die Bibliothek zu überweisen. Auch die letzten Spender werden bald den Dankesbrief per Post erhalten.

Die ersten Änderungen sind schon bemerkbar. Zum Beispiel hat die Bibliothek jetzt Dienstag bis Samstag geöffnet. Im Februar sogar von Montag bis Samstag. Und das Angebot wird weiterhin rege genutzt. Heute Nachmittag waren mehr als 20 Kinder am Spielen. Es macht Freude, die glücklichen Gesichter zu sehen. Dies ist dank eurer Unterstützung nun für fast zwei weitere Jahre möglich.

An dieser Stelle nochmals vielen Dank.

Ciao

Matthias

Montag, 24. Januar 2011

Ferienbericht, Teil 1

So, die Ferien sind zu Ende und ich bin schon fast wieder im Alltagstrott drin. Jetzt muss ich mich doch mal hinsetzen und wenigstens über einen Teil der Reise Bericht erstatten (ich habe dank meiner Freunde so viele Fotos, dass es mir unmöglich ist, alle in einen Bericht zu quetschen). Wir haben wunderbare dreieinhalb Wochen zusammen verbracht und es hat alles sehr gut geklappt: das Wetter war bombastisch, die Stimmung hervorragend und auch mit dem ganzen Rumreisen lief alles wie am Schnürchen. Aber seht selbst (merci Phili u Läncu für d Böuder):

Lima
So nach fast sechs Monaten gab es doch einiges zu erzählen.

Aber es gab auch einiges zu besichtigen in Lima. Am ersten Tag gingen wir darum ins historische Stadtzentrum, bevor dann am Abend ein Grillfest mit genügend Wein auf dem Programm stand.

Tarapoto
Das ist die Stadt der Motorräder und mototaxis. Autos sieht man nur sehr wenige.

Ahuashiyacu Wasserfälle
Es wird schnell klar, dass wir uns hier im Regenwald befinden: drückendes Wetter und grüne, üppige Vegetation (wo sie nicht abgeholzt wurde).

Die Ahuashiyacu Wasserfälle, wo man auch baden kann. Das haben wir aber sein lassen. Für eine nur wenig touristische Gegend waren wir doch erstaunt, wie viele Leute diese Wasserfälle besucht haben.

Lamas
Am gleichen Tag - nach einem einfachen Mittagessen - haben wir das Städtchen Lamas (nicht zu verwechseln mit den Tieren :-) in der Nähe von Tarapoto besucht.

Lamas ist in drei natürliche Ebenen aufgeteilt. Die höchste ist dieser Aussichtspunkt, von wo aus dieses Foto geschossen wurde. Im mittleren Teil wohnt die "zivilisierte" Bevölkerung und in der untersten Ebene die Quechua sprechende indigene Bevölkerung.

Typisch Südamerika, würde ich mal meinen: Risse in den verblichenen Wänden und abbröckelnder Verputz.

Die Mädchen waren gerade an der Tanzübung, als wir eintrafen...

... und haben dies natürlich ausgenutzt, um eine kleine Kollekte einzusammeln. Wir durften dafür auch ein Foto aus der Nähe schiessen.

Die Leute wohnen in einfachen Häusern und kochen zum Beispiel noch immer mit Kohle.

Chachapoyas

Auf der Reise von Tarapoto nach Chachapoyas. Nicht alle waren von der Hühnersuppe so begeistert wie ich :-).

Am nächsten Tag ging es los zu unserer ersten grossen Besichtigung: Kuélap! Auf dem Weg dorthin haben wir bei diesem Berg halt gemacht. Was man sieht sind nur die Plattformen, worauf die Häuser dieser früheren Einwohner gebaut waren.

Die Leute haben so hoch oben gelebt, um vor über die Ufer tretenden Flüssen - was in dieser Region normalerweise mehrmals pro Jahr passiert - geschützt zu sein.

Kuélap
Kuélap war eine Stadt und administratives Zentrum der Chachapoyas Kultur, 600 Meter lang, mit Mauern bis 19 Meter hoch und das auf über 3000 Meter über Meer. Einige Quellen sagen, für Kuélap sei dreimal mehr Baumaterial verarbeitet worden als für die Cheopspyramide in Ägypten. In Ägypten war ich noch nie, aber in Kuélap sind es auf jeden Fall verdammt viele Steine.

Einer der drei Eingänge in die Stadt. Dieser war für den Adel bestimmt. Das sieht man im Innern an gewissen Zeichen an den Wänden.

Wie zum Beispiel hier: die Schlange verkörpert Fruchtbarkeit (die Schlange kann wie ein Fluss gesehen werden, der bringt Wasser und somit fruchtbaren Boden).

Unterhalb dieses Hauses ein weiteres Zeichen: das Trapez. Dieses bedeutet die drei Welten: hanan pacha (die Welt oben, also die Welt der Götter), kay pacha (die Welt hier, da wo die Menschen leben) und uku pacha (die Unterwelt, die Welt der Toten und Ungeborenen). In Kuélap hat es zirka 500 Häuser, was einer geschätzten Bevölkerung von ungefähr 3500 Menschen entspricht. Nur sehr wenige Häuser haben aber solche Verzierungen (etwa sechs in ganz Kuélap). Hier hat also eine wichtige Persönlichkeit gelebt.

Im Vordergrund eine Steinplatte und ein Mühlstein. Das langgezogene dahinter war ein Laufstall für Meerschweinchen. Ein Problem von Kuélap war aber gerade eben die Versorgung. Es gab viele Häuser, aber keine Anbauflächen für Früchte oder Gemüse. Und bis heute wurde anscheinend noch kein Wasserzufluss entdeckt. Die Inka hatten also leichtes Spiel, als sie Kuélap erobern wollten: sie konnten gemütlich draussen warten, bis den Chachapoyas die Vorräte ausgingen.

In den meisten Häusern findet man solche Löcher. Dies sind sekundäre Gräber. Was heisst, dass die Knochen der verstorbenen Vorfahren in diesen Kammern aufbewahrt wurden.

Überhaupt sind in Kuélap überall sterbliche Überreste von Menschen zu finden, wie zum Beispiel hier in einem Teil einer Mauer.

Cajamarca

Die Fahrt von Chachapoyas nach Cajamarca war zwar ziemlich lang - 12 Stunden. Dafür war der Bus fast leer, komfortabel und die Landschaft sehr abwechslungsreich.

Mitten in dieser kargen Landschaft fliesst ein Fluss durch und unten sieht man Mangobäume bis zum Abwinken.

Cajamarca ist ein schönes, ruhiges Städtchen...

... mit einem wunderbaren Aussichtspunkt, von wo aus man die ganze Stadt sieht.

Als der Inka (der Herrscher) Atahualpa von den spanischen Eroberern gefangen genommen wurde und ihre Gier nach Gold bemerkte, hat er ihnen einen Raum einmal gefüllt mit Gold und zweimal mit Silber gegen seine Freilassung geboten. Die Spanier nahmen an, bekamen ihr Gold und Silber und haben Atahualpa danach trotzdem getötet.

Das ist der Raum des Lösegeldes, das "cuarto del rescate".

Trujillo
Die "Plaza de Armas" mit der Kathedrale in Trujillo. Es war lustig, in jeder Stadt, in die wir kamen, gab es eine "Plaza de Armas".


Huaca del Sol y de la Luna

Diese huacas, also zeremonielle Stätten, gehören zur Moche Kultur (Jahre 100 - 800 nach Christus). Die Moche haben die huacas immer weitergebaut, respektive überbaut. Das bedeutet, dass unter den aktuell sichtbaren Wänden ältere Wände verborgen sind. Mit zum Teil sehr gut erhaltenen Bemalungen, wie auf diesem Bild zu sehen ist.

Bevor ein Grossteil dieses Ortes durch Wind und Wasser abgetragen wurde, muss er ein spektakulärer Anblick gewesen sein.

Von der Huaca de la Luna aus, in der Ebene war eine Stadt und dahinter die Huaca del Sol (die Ausgrabungen fangen dieses Jahr erst an). Ganz im Hintergrund Trujillo.

Dies ist ein peruanischer Hund, für mich mit seinem haarlosen Körper der hässlichste Köter auf dieser Welt. Anrühren tue ich so ein Vieh freiwillig nicht.

Huaca del Dragon

Dies ist zwar auch eine huaca, gehört aber zu einer anderen Kultur, nämlich den Chimú (Jahre 1100 - 1400 nach Christus). Chan Chan wurde auch von dieser Kultur erbaut. Was ich unglaublich spannend finde ist, dass man im Umkreis von wenigen Kilometern so viele verschiedene Ruinen von verschiedenen Kulturen findet.

Chan Chan
Chan Chan (Sonne Sonne) ist riesig, vieles wurde noch gar nicht erforscht, geschweige denn restauriert. Diese Stadt muss gewaltig gewesen sein in der Zeit der Chimú.



In Chan Chan hat es viele solcher natürlicher Wasserquellen. Das ist erstaunlich, bedenkt man, dass Chan Chan in einem Wüstengebiet liegt.

Huanchaco

Zum Schluss der Tour fuhren wir noch an diesen Badeort. Der ist bekannt für diese Boote, welche aus Totora-Schilf gemacht sind. Diese Boote werden auch caballitos, also Steckenpferde, genannt.

Es muss nicht immer Entrecôte sein :-).



So, jetzt wurdet ihr aber verwöhnt mit Bildern wie noch nie in diesem Blog. Jetzt müsst ihr euch dafür bis nächste oder übernächste Woche mit dem nächsten Bericht gedulden.

Ciao

Matthias