Mittwoch, 13. Juli 2011

Weitere Infos zur ADES

Letzten Samstag bin ich wohlbehalten aus Tuléar zurückgekehrt. Obwohl die Arbeit dort sehr Spass gemacht hat, bin ich doch froh, wieder in Tana bei "meinen" Leuten zu sein, allen voran natürlich Thania :-) Jetzt habe ich noch bis Ende August Zeit, um meine Arbeit zu beenden. Bis jetzt bin ich gut voran gekommen. Darum bin ich zuversichtlich, dass ich den Bericht termingerecht abgeben werde.

Im neu eröffneten Zentrum in Fianarantsoa werden Energiesparöfen hergestellt. Es gibt ein Modell für Holzkohle und eines für Holz. Mit beiden spart man über 50% des Brennmaterials. Da beim Köhlerprozess etwa 80% der Energie verloren geht, ist es allerdings besser, direkt Holz zu verbrennen. Hierzu einige Bilder:

Der Lehm wird aus dem Boden genommen, mit anderen Sachen vermischt - zum Beispiel mit der Asche vom Reisspreu - und anschliessend zu solchen Platten geformt.

Die sehen dann so aus, sobald sie fertig geformt sind.

Die Platten werden anschliessend in vorgefertigte Formen gepresst, welche dann zusammengeschnürt werden, um aus den beiden Hälften einen Ofen zu machen.

Diese sehen dann so aus. Die Form der Brennkammer, die Höhe, die Luftzufuhr, einfach alles wurde optimiert, um möglichst wenig Holz, respektive Holzkohle zu verbrauchen.

Schliesslich wird den rohen Öfen noch der letzte Schliff verpasst: das Luftloch rausschneiden, die Höhe und Breite genau anpassen usw.

Sobald die Öfen fertig sind, werden sie für einige Tage - das kommt auf die Luftfeuchtigkeit an - zum Trocknen rausgestellt.

Ganz am Schluss werden sie dann gebrannt, bevor sie für den letzten Produktionsschritt nach Tuléar transportiert werden.

Das fertige Produkt sieht dann schliesslich so aus. Zum Schutz wird der Tonofen in einen Kessel gestellt. Der Ton wird dann mit der Zeit immer härter, sodass man ihn immer noch brauchen kann, auch wenn der Kessel kaputt gehen sollte.

An jenem Samstag fand eine Verteilung von Energiesparöfen und Solarkochern statt. Die Familien konnten so zu einem für sie erschwinglichen Preis diese Kocher erstehen.

Wenn sie nicht ein Pousse-Pousse oder Auto zum Transport hatten, wurde auch schon mal eine Schubkarre zu Hilfe genommen.

Rundum zufriedene Gesichter.


Die Verteilung fand an einer Schule statt. Nicht zu vergleichen mit den Schulen bei uns in der Schweiz...

Wenn man gut schaut, dann sieht man an der Tafel das "abidy", also das ABC auf Madagassisch (im Madagassischen werden die Buchstaben c q u w x nicht gebraucht, also müssen die Kinder nur 21 Buchstaben lernen, wenigstens solange sie noch nicht Französisch lernen).

Die ADES geht natürlich mit gutem Beispiel voran und verwendet ihre eigenen Produkte gleich selbst.

Sogar ein Poulet im Ofen kann man machen - geht halt einfach ein bisschen länger, aber schmeckt genau so gut.

Nach getaner Arbeit am Samstag der Verteilung trafen wir uns zum gemütlichen Beisammensein mit Speis und Trank.

Natürlich durfte das Karaoke nicht fehlen!

So, das wäre es für heute, ich wünsche noch einen schönen Rest der Woche.

Mandra-pihaona (Auf Wiedersehen)

Matthias

Montag, 4. Juli 2011

Reise nach Fianarantsoa

Letztes Wochenende ist das ganze Team der ADES - d.h. die Zentren von Ejeda, Morondava, Morombe und Tuléar - nach Fianarantsoa gefahren, um dort einerseits das neue Zentrum einzuweihen und andererseits das 10jährige Jubiläum der ADES zu feiern. Darum sind wir am Donnerstag um ca. 21:30 Richtung Norden aufgebrochen.

Da Ziegen in Tuléar viel günstiger sind als in Fianarantsoa, haben wir die gleich mitgenommen. Und wie man auf dem Bild sehen kann, wurden diese Viecher auch tiergerecht transportiert. Aber im Ernst, ich bin ja vieles gewöhnt, doch so etwas finde ich dann doch unter aller Sau, ehm Ziege.

Unterwegs, schon in der Nähe von Fianarantsoa. Auf dem Hochplateau ist es jetzt schon ziemlich kalt, vor allem in der Nacht. Hier in Tuléar ist es angenehm. Zwar nicht Kurze-Hosen-und-T-Shirt-Wetter, aber auch nicht kalt.

Am Freitag hatten wir dann den ganzen Tag Zeit, um uns die Stadt anzusehen. Viele sind dann sofort zum Markt, um ihren Liebsten zu Hause etwas schönes zu kaufen.

Was bei uns schon lange ausgedient hat, wird hier immer noch verkauft.

Im Hintergrund mein Lieblingsbaum hier in Madagaskar...

... welcher "Baum der Reisenden" genannt wird, auf Madagassisch aber Ravinala heisst.

Nach so viel Einkaufen und Besichtigen kriegt man natürlich Durst. Und wenn man Durst hat, dann soll man etwas trinken, heisst es...

Am Samstag dann der Tag der Feiern. Jeder hat etwas geholfen, sei es Rüeblisalat zubereiten...

... oder den Reis zu worfeln (wer dieses Wort kennt, CHAPEAU! Für alle andern, worfeln heisst:
(das ausgedroschene Getreide) mit einer Schaufel gegen den Wind werfen, um so die leichtere Spreu von den schwereren Körnern zu trennen).

Übrigens wurden wir für den Transport der Ziegen doch noch bestraft. Es haben sich am Abend viele Leute über Magenbeschwerden beklagt. Der Grund war anscheinend, dass das Fleisch schon am Vorabend gekocht und sowieso falsch zubereitet wurde (was ich aber nicht genau verstanden habe, da mein Madagassisch noch zu wünschen übrig lässt und sie hier in Tuléar sowieso einen ganz anderen Dialekt sprechen).

Bevor der Reis geworfelt wird, schaut man, ob nicht kleine Steinchen drin sind (da der Reis am Boden, teils auf der Strasse, getrocknet wird, ist das schnell passiert). Es gibt nichts unangenehmeres, als beim Essen auf einen Stein zu beissen.

Von ihr hätte ich an diesem Tag Fotos schiessen können, bis die Batterie meiner Kamera leer gewesen wäre. Sie kam immer wieder und wollte, dass ich noch ein Foto mache.

Am Anfang der Einweihungszeremonie wurden natürlich die Schweizer und Madagassische Flaggen gehisst, begleitet von der jeweiligen Nationalhymne.

Teil einer jeden offiziellen Feier in Madagaskar sind die Reden (kabary). Sie laufen immer nach dem gleichen Schema ab: der Redner begrüsst die Ehrengäste (z. B. Politiker, Direktoren usw.), die Leute, entschuldigt sich mehrmals, dass er das Wort ergreift und dann erst kommt die eigentliche Rede.

Die Gründerin der ADES, Regula Ochsner, ist extra für die Feierlichkeiten nach Madagaskar gereist. Auch sie hat natürlich eine Rede gehalten, allerdings auf Französisch und ohne Entschuldigungen.

Nach dem Essen wurde ausgiebig getanzt.

Wobei es verschiedene Tänze gab, je nach Region, aus der die Leute stammten.

Sitzt meine Frisur?


Typisches Bild vom Hochland: Reisfelder und Häuser aus Lehmziegel.

Auf der Rückreise nach Tuléar haben wir im Park von Anja Halt gemacht.

Es ist eindrücklich. Kaum setzt man einen Fuss in den Wald, sieht man schon die ersten Makis (Familie aus der Gruppe der Lemuren).


Wir haben einen kurzen Spaziergang durch diesen Trockenwald gemacht, der an einem Berg liegt.

Von oben hatte man eine recht schöne Aussicht auf die darunterliegende Landschaft.


Danach fuhren wir zurück nach Tuléar, wo wir etwa um 19:30 angekommen sind. Müde und froh, die Reise überstanden zu haben, habe ich nun meine letzte Arbeitswoche vor der Rückreise nach Tana in Angriff genommen.

Liebe Grüsse

Matthias

Sonntag, 26. Juni 2011

Nationalfeiertag

Heute häuft sich der Tag der Unabhängigkeit von Frankreich zum 51. mal. Schade nur, dass ich hier so alleine rumsitze und nicht mit Thania in Tana feiern kann. Aber das ist alles halb so tragisch, denn sonst gefällt es mir hier in Tuléar (Toliara auf madagassisch) sehr gut.

Es gab einen grossen Umzug durch die Strasse, bei dem vom Militär über die Feuerwehr bis über Schulen und jeder Turnverein dabei waren.

An Zuschauern hat es auch nicht gemangelt.

Die zwei vornehmen Herren wollten mir doch recht gut gefallen, wie sie da in ihren edlen Anzügen miteinander parlierten.

Die etwa achtzehnstündige Reise von Tana nach Tuléar mit Halt in Fianarantsoa habe ich gut überstanden. Es war sehr interessant anzuschauen, wie die Landschaft vom Hochplateau zur Küste sich verändert. Ich werde das ganze auf der Rückfahrt dann nochmals geniessen können. Allerdings werde ich schon am Dienstag und Mittwoch wieder je acht Stunden mit dem Auto unterwegs sein. Es geht nämlich nach Ejeda, südöstlich von Tuléar. Und am Freitag dann nochmals zurück nach Fianarantsoa für die Einweihung einer neuen Werkstatt. Sobald ich dann wieder in Tana bin, werde ich des Busfahrens wohl für eine Weile überdrüssig sein.

Auf der Fahrt von Tana nach Fianarantsoa.

Die Fahrt am nächsten Tag von Fianarantsoa nach Tuléar.

Auf der Strasse hat man immer wieder Herden von Zebus gesehen, welche nach Ambalavao - ein Dorf südlich von Fianarantsoa, wo sich ein grosser Rindermarkt befindet - getrieben wurden.

Wir waren in einem Auto unterwegs, so kamen wir schneller vorwärts als per Bus.

Beim Isalo Nationalpark.

Unterwegs hat man sogar einige Baobabs bestaunen können.

Viele Leute sind hier immer noch mit Ochsenkarren unterwegs.

Meine Arbeit hier für die ADES (Association pour le Développement de l'Energie Solaire - www.adesolaire.org) besteht darin, eine Voranalyse für eine neue Informatiklösung zu erstellen. Vieles läuft hier noch von Hand, zum Beispiel die Verwaltung der Lagerbestände. Für jedes neue Produkt wird ein Eintrag in einem Buch gemacht, welches dann an eine andere Person zur Weiterverarbeitung übergeben wird usw. Die ADES hat Produktionszentren in mehreren Städten, welche ihre Bestände jeweils per Post an die Zentrale schicken. Dies nur um ein Beispiel zu nennen. Ist also alles andere als eine moderne Lösung in der heutigen Zeit. Dazu kommt, dass die ADES mehr und mehr Kocher verkauft (mehr zur ADES werde ich in einem anderen Bericht schreiben) und die Verwaltung und Verfolgung der einzelnen Produkte auf diese Weise immer schwieriger zu handhaben wird. In meinem Bericht werde ich also verschiedene Lösungsvorschläge präsentieren, wie man dieses Problem angehen könnte. Bis jetzt habe ich mit Leuten aus verschiedenen Abteilungen gesprochen, um einen Überblick über die momentane Situation zu erhalten. Sobald ich damit durch bin, geht es dann ans Überlegen und Recherchieren.

Tuléar ist eine recht schöne Stadt, welche allerdings leider nicht direkt an der Küste liegt.

Es gibt in Tuléar viele teils verfallene Gebäude aus der Kolonialzeit. Wie in anderen Städten - zum Beispiel Antsirabe - ist das Hauptverkehrsmittel auch hier das Pousse-Pousse, welches ganz einfach "Poussy" genannt wird - ein Schelm, wer Anzügliches dabei denkt! Dadurch hat es in der Stadt kaum Autos und ist somit ziemlich ruhig.

Die Passagiere werden recht zügig befördert, ...

... wobei einige ganz klar schwerere Fracht geladen haben als andere.

Aus der Rubrik "Kurioses":

Eine Dienerin des Herrn am Steuer eines solchen Ungetüms - alles andere als heilig!

"Geboren um 1932"...

So, genug für diese Woche!

Bis bald

Matthias

Montag, 13. Juni 2011

Rückkehr nach Madagaskar

So, nach längerer Pause hier wieder mal ein Bericht!

Nach zweitägiger Verspätung ist meine Reise nach Madagaskar doch noch sehr gut verlaufen und ich wurde hier herzlich empfangen. Diese Woche habe ich vor allem alte Bekannte besucht und die eine oder andere Person getroffen, die mir bei der Arbeitssuche behilflich sein könnte. Am Montag geht es ab nach Fianarantsoa, von wo aus ich am Dienstag nach Tuléar fahren werde, um meine erste kleinere Arbeit anzufangen. Aber alles der Reihe nach...

Nach über 11 Monaten sind wir nun endlich wieder zusammen. Leider muss ich schon wieder weg, allerdings nur für 3 Wochen, was noch zu verkraften ist.

Letzten Montag hätte ich ja eigentlich abfliegen sollen. Leider wurde, anscheinend wegen schlechten Wetters, der Flug von Genf nach Paris annulliert. So konnte ich dann den Flug nach Tana auch gleich streichen... Gut, ich habe die zwei zusätzlichen Tage zu Hause trotzdem genossen und am Mittwoch hat das mit dem Flug dann ja auch geklappt.

Thanias Mutter und oberhalb ihr Bruder Toky und ihre Schwester Sasa.

Nach meiner Ankunft in Tana wurde ich von Thania und Play und seiner Freundin abgeholt. Es war schön, die drei nach so langer Zeit wieder zu sehen.

Natürlich habe ich auch alte Bekannte besucht und wie zum Beispiel hier Rotsy wieder gesehen. Sie kann jetzt schon gut sprechen, hat dafür aber schreckliche Zähne. Zum Glück gibts aber bald schon neue :-)

Die darauf folgenden Tage waren eigentlich alle mehr oder weniger gleich: Thania treffen, alte Bekannte besuchen, mit Leuten betreffend Arbeit sprechen. Mit dem Madagassisch klappt es soweit eigentlich ganz gut, ausser dass ich noch viel dazu lernen muss. Aber das wird in den nächsten Monaten schon noch werden.

Auch Mamiratra hat sich ziemlich verändert in den eineinhalb Jahren. So wie sie mir gesagt hat, hat sie das Memory spielen noch nicht vergessen.

Ja, für diese Woche war es das schon. Der nächste Bericht kommt entweder frisch aus Tuléar, oder nach meiner Rückkehr nach Tana.

Ciao

Matthias