Freitag, 15. Januar 2010

Ab Juli...

wird hier wieder fleissig geschrieben!

Montag, 4. Januar 2010

Mein letztes Stündlein hat geschlagen

Jetzt ist es tatsächlich soweit: diese Woche kehre ich in die Schweiz zurück. Wer hätte gedacht, dass dieses Jahr so schnell vergeht? Ich auf jeden Fall nicht. Was aber wohl so sein muss, wenn es jemandem irgendwo sehr gut gefällt. Und ich will mich auch nicht beklagen. Ich durfte hier ein wunderbares Jahr verbringen und hatte in den letzten Wochen reichlich Zeit, viele Feste zu feiern und mich von all den Leuten zu verabschieden.

Hat es doch noch geklappt mit den schwarz-weiss Fotos. Hier nochmals das Zimmer, in dem ich jetzt über 6 Monate glücklich und zufrieden gewohnt habe.

Na, wer ist denn hier wasserscheu?

Typisch Mamiratra - oder vielleicht auch typisch Kinder. Kriegen sie neue Kleider, und das erste was sie machen: auf Bäume klettern, um Früchte zu pflücken.

Aber gut, Rotsy freut sich immer darüber.

Für all diejenigen, die meine meist wöchentlichen Berichte immer mit Spannung erwartet und mit Genuss gelesen haben: nicht verzagen! Wie viele schon wissen, werde ich im Juli dieses Jahres für ein Jahr nach Peru gehen, um dort als Freiwilliger zu arbeiten. Der Blog wird also bald um ein Kapitel reicher.
Einige werden den Kopf schütteln und sich fragen, wieso ich - jetzt da ich meine Ausbildung abgeschlossen habe - nicht einen Job in der Schweiz suche und mächtig Kohle scheffle.
Nun, das hat mehrere Gründe: einerseits möchte ich etwas von der Welt sehen, einen Einblick in andere Kulturen erhalten und noch eine Sprache lernen (Spanisch, darum gehe ich auch nach Peru...). Abgeschlossenes Studium, noch keine eigene Familie - ich wüsste keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, um diesen Traum zu verwirklichen.
Andererseits habe ich in diesem Jahr hier in Madagaskar vieles gesehen, erlebt und gelernt. Zum Beispiel, dass für viele Menschen jeder Tag ein Kampf ums Überleben ist. Oder dass viele junge Erwachsene nicht studieren können, weil die öffentlichen Universitäten nicht genug Kapazitäten haben und die privaten viel zu teuer sind. Um nur zwei Beispiele zu nennen. Wenn ich daran denke, wie verwöhnt wir in der Schweiz mit allem sind, macht mich das schon ein bisschen nachdenklich. Darum kann ich mir im Moment auch nicht vorstellen, einfach in der Schweiz zu arbeiten und zu leben, als wüsste ich von alldem nichts. Was ich mir aber vorstellen kann, ist für eine NGO zu arbeiten. So könnte ich wenigstens einen kleinen Teil dazu beitragen, dass es jemand anderem besser geht.
Vom Jahr in Peru erhoffe ich mir also nicht nur wertvolle Erfahrungen, kulturelle Eindrücke und sprachliche Fähigkeiten, sondern auch die Erkenntnis, wie es mit meiner beruflichen Laufbahn weitergehen soll.

Unser Flugzeug auf der Reise nach Antalaha. Hier beim Zwischenstop in Maroantsetra, wo wir dann eine Nacht verbringen mussten, weil die Maschine nicht mehr lief.

Mänus und mein neues Lieblingsauto: ein Toyota Hilux (würde mich nicht erstaunen, wenn Mänu in der Zwischenzeit einen gekauft hätte :-). Als ich dieses Foto schoss, wussten Mänu und ich noch nicht, dass wir die nächsten 12 Stunden mit 20 anderen Leuten in diesem Auto verbringen würden.

Aber noch nicht genug. Das war die Strasse - und glaubt mir, dies war der gute Teil und sieht besser aus, als es sich tatsächlich anfühlt, wenn man zusammengepfercht hinten auf einem Toyota Hilux sitzt. Trotzdem - oder gerade deswegen - ein unvergessliches Erlebnis.

Das Taxi-B hatte eine Panne und Warten war angesagt. Zu diesem Zeitpunkt unserer Reise waren wir solche Zwischenfälle aber schon gewohnt und nahmen es gelassen.

In Peru werde ich für eine Organisation arbeiten, welche sich für die Rechte von Frauen einsetzt, die als Haushaltsangestellte arbeiten. Dort finanzieren sich mit dieser Arbeit viele Frauen/Mädchen - oft vom Land - ihr Leben/Studium. Leider ist es ein weit verbreitetes Problem, dass eben jene Frauen von ihrem Arbeitgeber oft grob ausgenutzt und/oder Misshandelt werden. Um etwas dagegen zu unternehmen, hat die NGO ein Zentrum geschaffen, wo sich die Frauen zuwenden können. Dort werden unter anderem Kurse - zum Beispiel Englisch, Computer, etc. - aber auch andere Aktivitäten - Sportanlässe, Filmabende, usw. - organisiert. Gleichzeitig können die Frauen über ihre Rechte informiert werden. So wie es aussieht werde ich vom Unterhalt der Computer, über Kurse bis hin zu verschiedenen Aktivitäten überall ein bisschen mithelfen. Obwohl ich mit meinem Kopf noch hier in Madagaskar bin und auch die Zeit in der Schweiz mit euch geniessen werde, freue ich mich trotzdem schon drauf.
Für Interessierte gibt es mehr Infos auf der Internetseite der Organisation: www.gruporedes.org.

Nach der Reise mit Mänu war plötzlich eine Nase mehr im Haus: Anjarasoa, hier gerade mal ein paar Tage alt.

Diesen Donnerstag Nachmittag werde ich also in die Schweiz zurückkehren. Einige Leute haben mir schon angeboten, mich in Zürich abzuholen. Da ich vom Zivildienst aber sowieso ein GA bekommen habe, denke ich, dass ich mit dem Zug bis nach Düdingen fahren werde. Wahrscheinlich wird die Umstellung Madagaskar-Schweiz für mich schwer genug und so habe ich wenigstens ein paar Stunden, in denen ich Zeit habe, zu Hause anzukommen.

Also, bis bald

Matthias

Freitag, 18. Dezember 2009

Trauriges und Lustiges

Letzten Samstag ist ein Arbeitskollege von mir gestorben. Er war mit zwei von den deutschen Freiwilligen in Ankavandra - das ist westlich von Tana und eine verdammt heisse Gegend - um die Landepiste auszubessern. Nach der Arbeit ist er auf dem Rückweg zusammengebrochen und kurz darauf gestorben. Die Todesursache ist nicht bekannt, aber anscheinend litt er schon länger an zu hohem Blutdruck (und da er nicht gerne zum Arzt ging, hat er auch keine Medikamente dagegen genommen). Vielleicht waren die schwere Arbeit und Hitze einfach zu viel. Er war noch ziemlich jung, nur 46 Jahre alt ist er geworden. Er hinterlässt eine Frau und zwei junge Töchter.
Wenn hier in Madagaskar eine Person stirbt, wird sie zu Hause aufgebahrt. Die Freunde, Bekannten und Verwandten gehen dann dorthin, um zu kondolieren. Das haben wir von der MAF am Sonntag Abend gemacht.
Am Montag war die Beerdigung. Zuerst waren wir bei der Familie zu Hause, um den Leichnam abzuholen. Zusammen fuhren wir dann zu ihrer Kirche, welche ganz in der Nähe ist. Nach dem Gottesdienst ging es weiter aufs Land, wo sich das Familiengrab befindet. Das Grab ist eigentlich eine Gruft: die Leute hier werden also nicht wie bei uns im Sarg begraben, sondern in ein Tuch gewickelt in die Gruft zu ihren Vorfahren gelegt. Dabei ist es so, dass ein Mann immer seinem Vater und eine Frau ihrem Ehemann folgt. Kinder oder unverheiratete Frauen werden zu ihren Eltern gelegt (respektive Grosseltern, wenn die Eltern noch leben).

Nun aber zu etwas Lustigem. Lydie hat einmal eine Geschichte erzählt. Ich weiss nicht, ob sie sich wirklich so zugetragen hat, aber hier ist sie:
Ein vazaha und ein Madagasse sind in einem Restaurant. Der vazaha hat als Vorspeise einen schönen Salat bestellt und der Madagasse isst Reis mit Fleisch. Wie es so ist hier in Madagaskar, kriegt man nicht nur Fleisch, sondern auch Knochen. Diese werden dann natürlich - bis auf die Knochen sozusagen *schenkelklopf* - abgenagt. Als der vazaha sieht, wie der Madagasse seinen Knochen bearbeitet , sagt er (ich stelle mir vor mit einer gewissen Geringschätzung):
"Bei uns geben wir solche Knochen den Hunden. Was essen denn die Hunde hier in Madagaskar?"
Meint der Madagasse nur: "Salat".
Ich habe die Geschichte einem Arbeitskollegen erzählt. Der konnte nicht mehr vor Lachen. Darum habe ich mir gedacht, schreib ich die in den Blog.

Letzten Samstag habe ich Lydie und Benja zum Chinesen eingeladen - Lolona konnte leider nicht... Die Frauen arbeiten immer so hart, so habe ich mir gesagt, gehst du mit ihnen ins Restaurant, dann müssen sie für einmal nichts machen (sie hatten ja beide Geburtstag). Was mich verwundert hat: für Lydie war es das erste mal in ihrem Leben, dass sie in einem Restaurant essen war. Schon krass wenn man denkt, dass sich in Europa 16jährige eine Woche Strandurlaub leisten können und hier eine 22jährige noch nie in ihrem Leben auswärts essen war.

Ich lese ja immer, wenn es die Zeit erlaubt, die Freiburger Nachrichten - die kann man als PDF herunterladen. Diese Woche habe ich Werbung von der Migros gesehen - "Preiskracher: Mango für CHF 1.90 pro Stück". Da musste ich schon schmunzeln, als ich daran dachte, dass hier die Mango zwischen 5 und 20 Rappen das Stück kostet.

Diese Woche hat nach langem Hin und Her mein Nachfolger Urs den Weg nach Madagaskar gefunden. Am Tag vor dem Abflug musste er von Aarau nach Genf fahren, um sein Visum zu bekommen. Zu allem Überfluss hat er am Dienstag auch noch den Flug verpasst - respektive war das Check-In früher geschlossen, als auf dem Ticket stand. Aber nun ist er hier. Jetzt arbeite ich ihn ein, bevor ich dann schon bald nach Hause komme.

Bye

Matthias

Dienstag, 8. Dezember 2009

Noch mehr Feste

Letzten Freitag hatten wir eine gelungene Feier. Bis morgens um 2 haben wir gegessen, getrunken und Musik gehört. Für uns Madagassen ist das schon ziemlich spät, bedenkt man, dass wir sonst eher früh zu Bett gehen.


Wie ihr sicher gemerkt habt, habe ich mich gerade selbst als Madagasse bezeichnet. Das ist natürlich ein Witz. Aber viele Madagassen sagen mir, dass ich schon halb Madagasse bin. Das kommt wohl daher, wie ich lebe, mich anpasse und die Sprache lerne. Wenn ich sie auf die Hautfarbe anspreche, raten sie mir immer, mit etwas Kohle nachzuhelfen ;-)


Das Fest letzten Freitag war nur der Anfang: diese Woche hat Lolona Geburtstag, das Hochzeit von Lily ist (hoffentlich) im Dezember oder Anfang Januar, die Taufe von Mamiratra, Rotsy und Anjarasoa findet am 25. Dezember statt, Neujahr, mein Abschiedsfest, Weihnachtsfest bei der MAF, Jakobs Abschied... Fast mehr feiern als arbeiten in meinen letzten Wochen hier. Nicht dass ich etwas dagegen hätte natürlich.

Ein Bild von der anderen Seite der Stadt. Oben auf dem Hügel links sieht man das "Rova", den Königspalast. Heutzutage wohnt natürlich niemand mehr dort. Im Vordergrund Strom- und Telefonkabel, ein "Muss" auf jedem Foto aus der Stadt (gau Mänu ;-).

Hoffentlich langweilen euch die Fotos nicht. Aber da ich jetzt die meiste Zeit nur im Büro herumsitze, sind es halt hauptsächlich welche von zu Hause...

An Lily's Fest wurde draussen gekocht - dort hat es mehr Platz für die ganzen Töpfe.

Die Küche sieht so aus. Nicht gerade Schweizer Standard, doch das Essen ist trotzdem phänomenal.

Im Moment hat Pierrot Men eine Fotoausstellung in der Stadt. Dort werde ich im Verlaufe der nächsten Tage sicher mal vorbeischauen.

Ciao

Matthias

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Nationalhymne

Am Montag Morgen musste ich schnell in die Garage der MAF fahren, um einige Sachen abzuholen. Die Garage befindet sich etwa 3km vom Flughafen entfernt. Auf dem Weg dorthin kommt man am Büro des Bürgermeisters vorbei - das ist etwa zu vergleichen mit der Gemeindeverwaltung in der Schweiz. Auf jeden Fall wurde ich von einem Mann mit Leuchtweste aufgefordert, anzuhalten. Zuerst war ich ein bisschen verblüfft, weil ich nicht wusste, was er genau wollte. Bis mich mein madagassischer Arbeitskollege drauf hingewiesen hat, dass jeden Montag Morgen die madagassische Flagge gehisst und die Nationalhymne gespielt wird. Und wirklich, der Verkehr stand still, weder Autos noch Leute durften einfach an dieser Zeremonie vorbeigehen. Ein Junge hat trotzdem versucht, mit seinem Fahrrad dem Aufpasser zu entwischen. Er wurde allerdings brutal vom Sattel gerissen und musste schlussendlich wie alle anderen warten. Ich fand die Zeremonie aber noch ganz schön (wenn man nicht in Eile ist...). Man sollte das in Düdingen auch einführen, finde ich. Den Stau am Morgen hat man ja sowieso schon, auch der Fahnenmasten steht, fehlt nur noch eine Stereoanlage.

Sascha bei seiner Abschiedsfeier.

Rotsy, der kleine Popstar.

Hiandrisa, welcher gerne und oft tanzt, sobald Musik läuft. Dabei nach dem Motto: Je völler, desto töller. Einmal ist er in einen Tisch getorkelt und ein Teller mit Reis ist zu Bruch gegangen. Einige Leute waren nicht erfreut.

Ramiandry, der ältere Bruder von Hiandrisa. Das sind zwei sehr nette Kerle.

Dieses Bild musste ich einfach zeigen, obwohl die zwei Ladies düster in die Runde blicken. Dafür sieht man die Ähnlichkeit der Schwestern. Links im Bild: Daddy Cool.

Lily mit ihrem zukünftigen Ehemann Jiry. Das hier ist noch nicht die Hochzeit, sondern nur die Feier vor zweieinhalb Wochen.

Domino spielen und dazu Fleisch vom Grill - was will man mehr? Das muss ich auch einführen, sobald ich wieder in der Schweiz bin. Aber Achtung! Ich werde immer besser. Gestern zum Beispiel habe ich Ramiandry und Hiandrisa zweimal geschlagen ;-)

Und noch zwei Bilder von der Zeremonie letzten Freitag. Jakob hat den Orden vom Vize-Premierminister überreicht bekommen. Schade kam der Präsident nicht persönlich, ich hätte mich wirklich köstlich amüsiert. Weil den mag bei uns wirklich niemand. Dieser Ritterorden ist übrigens der höchste Orden, der in Madagaskar verliehen wird. Und Jakob hat ihn sich ganz sicher verdient.



Diese Woche ist speziell, da am Donnerstag Lydie, am Freitag Play und am Samstag Vero Geburtstag haben. Am Freitag werden wir eine kleine Feier veranstalten, um auf dieses alljährliche Ereignis anzustossen.

Ich habe heute Morgen gerade einem Freund von mir geschrieben, dass ich die Zeit, die ich noch in Madagaskar bin, nicht mehr in Monaten, sondern in Wochen zählen muss. Scheisse, wie fliegt doch die Zeit.

In diesem Sinne: bis bald.

Matthias

Mittwoch, 25. November 2009

You just make it round

Wenn man mit jemandem zusammen wohnt, so erfährt man zwangsläufig einiges über sein Leben und seine Vergangenheit. Benja zum Beispiel, so hat er mir erzählt, hat schon allerhand verschiedene Arbeiten gehabt: Nachtwächter bei einer (Vazaha-) Familie, Elektriker, Mechaniker-Assistent bei Helimission, Lastwagenfahrer und jetzt ist er Automechaniker. Angefangen hat er aber als Edelsteinschleifer. Wer hätte das gedacht! Neulich hat er mir ein paar seiner alten Werke gezeigt. Darunter war ein ganz runder Stein. Ich hab ihn erstaunt gefragt, wie er es geschafft hat, den Stein so schön hinzukriegen. Darauf hat er mir ganz trocken und mit einer Selbstverständlichkeit geantwortet: "Yeah you just make it round" ("Ja man macht den Stein ganz einfach rund"). Und er hat nicht mal gemerkt, dass er mich zum Lachen gebracht hat :-) (scheint vielleicht nicht so witzig, wenn es geschrieben wird, aber ich muss noch heute darüber schmunzeln).

Gestern hatten wir eine Abschiedsparty für Sascha, welcher nach zwei Monaten Ferien wieder in die Schweiz zurückgekehrt ist. Wie schnell die Zeit vergeht! Die unten stehenden Bilder vermitteln ein paar Eindrücke dieser Feier:

Jeder hat ein bisschen etwas mitgeholfen - ich zum Beispiel war für das Lagerfeuer zuständig.

Das untere Fenster ist jenes von meinem Zimmer. Das obere von Papas. Da die Decke aus Holz ist und Papa immer Radio hört, komme ich fast jeden Abend vor dem Einschlafen in den Genuss der Hitparade.

Es gab reichlich Fleischspiesse, Salate, Bier und Rum. Ich musste mich mit letzteren allerdings zurückhalten, da ich Sascha nach dem Fest noch an den Flughafen fuhr. Wie schon beim Toms Party Ende März gab es auch gestern wieder eine kulinarische Köstlichkeit. Was von weitem wie gefüllte Teigtaschen ausgesehen hat, waren in Wirklichkeit frittierte Hühnerköpfe. Ich war zwar nicht unbedingt scharf drauf, doch so etwas will probiert sein.

Diesen Freitag findet bei uns im Hangar eine wichtige Zeremonie statt. Jakob kriegt nämlich für seine langjährige Arbeit hier in Madagaskar den "chevalier de l'ordre national" überreicht. Das ist ein Ritterorden für seine Verdienste hier in Madagaskar. Dass der Orden aber ausgerechnet von einem Diktator, der noch dazu illegal an die Macht gekommen ist, unterzeichnet wurde, mutet doch ein bisschen komisch an.
Item, auf jeden Fall ist der organisatorische Aufwand für diese Übergabe recht gross. Deshalb war ich letzte und diese Woche ziemlich oft der Chauffeur für einen Arbeitskollegen, welcher von Ministerium zu Ministerium rennen musste. Mir soll es recht sein - so komme ich aus dem Büro raus und lerne erst recht noch die Stadt besser kennen.

Machts gut.

Matthias

Freitag, 13. November 2009

Ich habe geheiratet

Wusstet Ihr das nicht? Tja, ich auch nicht. Aber anscheinend waren sich einige Leute darüber ziemlich sicher. Diese Woche war ich nämlich mit Lolona beim Zahnarzt. Sie hatte eine Entzündung wegen zwei kaputten Zähnen, welche sie ziehen lassen musste. Da sie nicht wusste, wo die Praxis ist und auch, weil sie Anjarasoa mitnehmen musste, habe ich sie begleitet. Ich habe im Büro ja sonst nicht viel zu tun *Hust*.

Auf jeden Fall haben einige Leute ziemlich komisch geguckt und sich wahrscheinlich ihre Geschichte zusammengereimt. Was ich ihnen nicht unbedingt verüble. Denn wenn ein Weisser mit einer Madagassin und einem fast weissen Baby unterwegs ist, kommen wohl die meisten schnell zu ihren Schlussfolgerungen. Den Vogel hat aber dann der Zahnarzt abgeschossen. Beim Zähne ziehen sagte er so zu Lolona: "Ihr Mann spricht aber gut Madagassisch". Die gute Frau konnte sich nicht mal wehren, weil ihr Mund voll von Werkzeug war. Das setzt dem ganzen noch die Kirsche obenauf.

Verständlich, dass ich mir seit diesem Tag von allen Leuten blöde Sprüche anhören muss. Zum Glück bin ich von Natur aus dem Scherzen nicht abgeneigt...

Das wäre dann also meine Ehefrau, welche auf dem Foto in meinem Alter aussieht. In Wirklichkeit ist sie aber über 30.

Ein paar weitere Bilder von zu Hause:

Hier ein Bild in meinem Zimmer. Links ist mein Bett.

Links im Bild Sascha, mein Vorgänger bei der MAF, welcher jetzt hier in den Ferien ist. Dann die drei Schwestern Lydie, Lily und Vero. Lily heiratet im Dezember. Gestern hatten wir schon mal eine Feier, wo die zwei Familien sich zum ersten mal offiziell getroffen haben.



Auf der Strasse von uns in die Stadt. Hier ein typisches Taxi von Tana.

Und noch ein paar Bilder von Ambositra:


In dem Feld, in welchem die Frauen auf dem Bild arbeiten, haben sie den Reis gesät. Der Reis wird auf so engem Raum gesät, damit man ihn besser überwachen kann (z. B. wegen den Vögeln). Sobald er dann mal eine gewisse Länge hat, wird er in andere Felder umgepflanzt (wie im Vordergrund), wo er mehr Platz zum Wachsen hat.

Der kleine und der grosse Ingenieur bei der Arbeit.


Die ganz kleinen Kinder werden wie auf den drei folgenden Bildern in ein Tuch eingehüllt auf dem Rücken getragen. Manchmal sind die Kinder, welche die Kleinen tragen, selber nicht viel grösser...






Diesen Sonntag hat Luc Geburtstag und startet heute oder morgen eine Fete bei sich zu Hause. Darauf freue ich mich schon. Sonst habe ich ausser Wäsche waschen und Haare schneiden nicht viel auf dem Programm.

Bis dann

Matthias

Mittwoch, 4. November 2009

Gruten Tag und wie heisse ich?

Benjas Vater "Papa" hat von Pascal - welcher vor mir dort gewohnt hat - ein bisschen Deutsch gelernt. Jeden Tag, wenn er mich sieht, begrüsst er mich mit einem freundlichen "Gruten Tag Matthias". Immer wieder aufs Neue eine Freude :-)

Jeden Tag, wenn ich zur Arbeit gehe oder nach Hause komme, begrüsst mich ein Nachbarskind mit den Worten "Manahoana vazaha? Omeo vola aho" ("Wie gehts Weisser? Gib mir Geld", Anm. d. Red.). Diese Woche habe ich sie gefragt, wie sie heisst. "Jenny" hat sie geantwortet. Dann habe ich sie gefragt, ob sie wisse, wie ich heisse. Die logische Antwort war natürlich "vazaha". Fand ich auch ganz lustig.

Letzten Samstag war ich 70 kg Reis kaufen - 20 kg für Lolona und Mamiratra, 50 kg für uns. Einer meiner Arbeitskollegen meinte, wenn dieser Sack 2 Monate hält, kann ich mich glücklich schätzen. Wir werden sehen. Ich habe dann einen Mann "engagiert", der den Reis mit seinem Karren bis zu unserem Haus gefahren hat. Das letzte Stück mussten wir allerdings zu Fuss gehen, da die schmale Holzbrücke nicht für den Karren geeignet war. Erstaunlich, dieser kleine magere Typ hat die 50 kg wie nichts gepackt. Ich kam dann schön auf die Welt, als ich den Sack ins obere Stockwerk bugsiert habe - wobei, da bin ich vielleicht auch nicht wirklich ein Gradmesser...

Meinen schwarzweiss Film von den Ferien kann ich hier in Madagaskar definitiv nicht entwickeln lassen. Zum Glück hat Mänu mir ein paar seiner Bilder geschickt. Diese und ältere von mir könnt ihr unten stehend betrachten (einige davon sind beim Scannen ein bisschen hell geraten, liegt also nicht an meiner eigenen Unfähigkeit):

Dies wären also die Tsingy, so weit das Auge reicht. Diese Felsformationen wurden durch den Regen ausgewaschen und sind wirklich eindrücklich anzuschauen.

Am ersten Tag bei einer Stadtbesichtigung.

Die folgenden Fotos sind von Tamatave (madagassisch Toamasina), als wir dort waren, um Auto und Gepäck vom neuen MAF Boss abzuholen:



Im Hintergrund der Hafen, wo die Fracht eingetroffen ist. Von diesen Pousse-Pousse, welche mit einem Fahrrad statt von Hand gezogen werden, gibt es in Toamasina viele.

Und wieder ein paar Bilder von Ambositra, wo ich ja jetzt zweimal war, um an der Landebahn zu arbeiten:

Ich finde die 20 km Fahrt von Ambositra zur Landepiste landschaftlich sehr ansprechend - viele Hügel und Kurven und dazwischen jede Menge Reisfelder mit arbeitenden Leuten.

Manchmal kommt man hier in Madagaskar in ein Dorf, wo man haufenweise wunderschöne Kinder sieht. Ich weiss auch nicht wieso...



Als die Arbeit getan war, haben wir die Pappschachteln den Kindern überlassen, worüber sie offensichtlich sehr glücklich waren. Auch leere Pet-Flaschen sind immer ein willkommenes Geschenk.

Mein Arbeitskollege Michel beim Mittagsschläfchen. Man beachte den Schriftzug auf dem Reifen... Er ist übrigens der Bruder von Benja.

Und zum Schluss wieder mal ein paar Bilder von zu Hause:

Lydie mit ihrer Mutter.

Das ist David, der Vater von Lydie und Play. Er ist ein sehr aufgestellter Mann, obwohl er arm ist. Er arbeitet hart sechs Tage die Woche und hat trotzdem nichts. Er hat keine feste Arbeit - ausser die Schweine und Felder zu Hause (aber die bringen nicht jeden Tag Geld ein) - und macht, was sich grad so ergibt. Er hat auch schon für die MAF in Ampasinambo gearbeitet. Zu allem Überfluss ist vor ein paar Wochen auch noch seine Kuh gestorben - durch sie konnte er wenigstens jeden Tag Milch verkaufen.
Arbeitslos in Madagaskar ist übrigens nicht zu vergleichen mit der Schweiz. Hier gibt es viele, die arbeiten möchten, aber es hat einfach zu wenig Arbeit. Und die, welche keine Arbeit haben, die bekommen vom Staat nichts.
Play macht eine Ausbildung zum Automechaniker bei einer Organisation, welche eigentlich nur Waisen und Halbweisen ausbildet. Er hat dort einen Ausbildungsplatz gefunden, weil der Bürgermeister ein Dokument ausgestellt hat, welches offiziell bestätigt, dass seine Eltern arm sind.


Sieht so aus, als hätte ich grossartig mitgeholfen, das Feld umzustechen. Die Hilfe war aber nur von kurzer Dauer. Aber besser als nichts, für eine Blase an der Hand hats auf jeden Fall gereicht.

Das ist auf dem Dach des Hauses, von wo aus man eine schöne Aussicht über die Reisfelder hat. Ausserdem trocknen die Kleider nach dem Waschen recht schnell.

So, die erste Nahaufnahme von Anjarasoa. Das Bild ist leider ein wenig verschwommen, da ich bei meiner Kamera keinen Blitz habe.

Diesen Sonntag fahre ich mit Jakob und seiner Familie, den drei neuen deutschen Freiwilligen und der Familie von Adam - unser Flugzeugmechaniker - nach Lac Mantasoa, um Wasserski und Wakeboard zu fahren. Für Jakob wird es das letzte mal sein, dort hin zu gehen. Für mich übrigens auch. Wie ihr vielleicht gemerkt habt, rückt die Stunde meiner Rückkehr unerbittlich und mit einer beängstigenden Geschwindigkeit näher.

Bis bald

Matthias