Montag, 21. September 2009

Was nicht passt, wird passend gemacht

Nun bin ich also wieder zurück von den Fer--, ehm von der Arbeit ausserhalb von Tana. Wobei man sagen kann, dass die Zeit in Tamatave wirklich fast wie Ferien war, allerdings nur sehr kurze. Vorletzten Donnerstag sind wir dorthin gefahren und am Freitag schon wieder zurück. Glücklicherweise haben meine Kollegen mit dem Zoll schon alles geregelt und so konnten wir am Freitag Nachmittag die Rückreise antreten (natürlich mit den Sachen, die wir abholen sollten). Durch das Herumfahren in Tamatave habe ich auch recht viel von der Stadt gesehen. Ich muss sagen, meine Wunsch-Ferien-Destination Nummer eins ist es nicht :-) Aber es war trotzdem mal interessant, dort gewesen zu sein. Vor allem den grossen Hafen zu sehen - zwar nur von weitem - war eindrücklich.

Danach war ich nicht sehr lange zu Hause - von Samstag Morgen um 2 Uhr bis Sonntag Vormittag um 10 Uhr - dann ging es schon ab auf den nächsten Trip. Und zwar wie schon berichtet nach Ambositra, wo wir eine bestehende Landebahn wieder in Schuss bringen mussten. Aber dazu am besten ein paar Bilder (da Martin eine Digitalkamera dabei hatte, kann ich heute mal verschwenderisch viele Bilder hochladen :-):

Der Arbeitsweg war ziemlich lange. Da die Landebahn etwa 20 km ausserhalb von Ambositra liegt und die Strassen nicht sehr gut sind, brauchten wir pro Weg ca. 45 min.

Hier soll die Piste sein: bedeckt von Gras, Fahrrinnen und weiter hinten Sträuchern. Unsere Aufgabe: Rasen mähen, Sträucher schneiden und Löcher füllen.

Als wir den Rasenmäher das erste mal gestartet haben, waren die Kinder ziemlich aus dem Häuschen. Verständlich, haben sie so etwas doch noch nie gesehen. Zum Glück mussten wir nicht den ganzen Rasen von Hand mähen, das wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.

Die letzten 200 der knapp 700 Meter langen Piste waren wegen den vielen Sträuchern die mühsamsten. Zum Glück hatten wir tatkräftige Unterstützung von einer anderen Organisation.

Noch ein paar Löcher füllen...

... einen Windsack montieren für unsere Piloten...

... und landebereit wäre die Piste.

Unser madagassische Kollege Michel hat eine Bekannte von sich - welche in Ambositra lebt - als Köchin engagiert.

Das Essen war immer fantastisch.

Wir hatten eine Riesengaudi mit den Kindern. Sie sind immer dem Auto hinterhergerannt und raufgesprungen. So macht die Arbeit doch sofort viel mehr Spass. Schon eindrücklich: Anfang Woche sind die Kinder weggelaufen, sobald wir uns ihnen auch nur zwei Schritte genähert haben (es wurde uns gesagt, dass sie zum Teil noch nie Weisse gesehen hätten). Ende Woche war es das komplette Gegenteil. Anscheinend haben wir drei Weissen einen guten Eindruck hinterlassen :-).

Dr. med. Matthias bei der Arbeit. Dazu die Vorgeschichte: am Morgen jenes Tages habe ich meine Hand an einem Kaktus gestochen. Diese ist dann ein bisschen geschwollen und hat beim Bewegen geschmerzt. Darum habe ich sie desinfiziert. Da sehe ich diesen Jungen komisch durch die Gegend laufen und frage ihn, ob er weh am Fuss hat. Er meinte ja und ich habe mir das mal angeschaut. Sah nicht allzu gut aus, eine recht grosse Wunde und natürlich voller Dreck. Nach langem hin und her (denn er hatte Angst), konnte ich ihn dazu bringen, sich von mir die Wunde reinigen, desinfizieren und verbinden zu lassen. Das Problem ist folgendes: die Kinder haben keine Schuhe, rennen rum, tun sich weh und haben dann keine Möglichkeit, die Wunde richtig zu behandeln. Und wenn sich die ganze Sache entzündet, kann es im schlimmsten Fall darauf hinauslaufen, dass der Fuss amputiert werden muss (das sage ich jetzt nicht einfach so, das wurde mir von jemandem erzählt, der solche Sachen schon viel erlebt hat).

Martin, einer der neuen Freiwilligen aus Deutschland, bei einem recht gut gelungenen Selbstportrait mit den Kindern.

Zum Schluss noch ein Gruppenfoto. Von links: Michel, dann ein komischer Typ, dessen Name ich nicht mehr weiss, John und Martin. Die Kinder kenne ich leider nicht beim Namen. Das Bild hat übrigens ein Madagasse geschossen, der uns sehr bei der Arbeit geholfen hat. Ich denke, es war das erste mal, dass er eine Kamera bedient hat, hat es aber ganz gut hingekriegt.

So, Schluss für heute. Diesen Mittwoch kommt Mänu, dann gehts ab in die Ferien.

Bis dann.

Matthias

Donnerstag, 10. September 2009

Hats also doch noch geklappt

So, nach wochenlangem Warten hat es nun mit Tamatave doch noch geklappt. Wir werden heute morgen losfahren und am Nachmittag dort ankommen. Wann wir zurückkehren, weiss ich nicht genau, entweder am Freitag oder Samstag. Je nachdem, wie wir dort unten vorwärts kommen.

Nächste Woche werde ich dann nach Ambositra fahren. Das ist ein kleines Städtchen zwischen Antsirabe und Fianarantsoa. Dort werden wir eine bestehende Landebahn wieder in Schuss bringen. Das heisst, Gestrüpp schneiden und Löcher auffüllen. Dies sollte allerdings in ungefähr fünf Tagen gemacht sein. Dann bin ich selbstverständlich für meine Ferien wieder zurück :-)

Gestern Abend habe ich Rösti zubereitet, was noch relativ schwierig ist mit einer Bratpfanne ohne gute Beschichtung und auf einem Feuer, wo man die Temperatur nicht regulieren kann. Das Endresultat war aber alles andere als schlecht und darum eine geglückte Aktion.

Lydie hat gesagt, dass sie von Kartoffeln langsam aber sicher genug hat, weil sie in letzter Zeit zu viele davon gegessen habe (ihre Abneigung hat also nichts mit meiner Rösti zu tun ;-). Ich hab sie dann gefragt, wie es mit dem Reis stehe, weil den isst sie ja auch immer (ich hab das als Witz gemeint, weil die Antwort kannte ich ja schon). Reis ist halt das Grundnahrungsmittel der Madagassen, von dem haben sie nie die Nase voll. Wohingegen Kartoffeln nur eine Beilage sind, von welcher man mit der Zeit schon genug kriegt...

So, das wars für heute, jetzt muss ich los, meine Sachen packen.

Bis zum nächsten mal.

Matthias

Mittwoch, 2. September 2009

Was grad so läuft

Nun war ich diese Woche noch immer nicht in Tamatave. Frage mich langsam, ob wir irgendwann mal gehen werden. Vielleicht morgen...
Sonst habe ich auf der Arbeit im Moment recht viel zu tun. Jakob und seine Familie kamen letztes Wochenende zurück und er hat mal wieder einen neuen Laptop, der installiert und konfiguriert werden muss. Natürlich wie immer noch mit einer Ladung Zusatzwünschen :-) Ist aber gut so, das macht die Sache interessant.
Benja, der Mann von Lydie, ist gestern nach einmonatiger Arbeit im Norden von Madagaskar nach Hause zurückgekehrt. Er war mehr oder weniger in der Region unterwegs, wo Mänu und ich Ende September hinreisen werden.

In Mahanoro: in diesem See wird gebadet, gefischt und gewaschen.

Gestern Abend war ich bei Jakob zum Grillen eingeladen. Als ich zu Hause ankam, stand die Türe meines Zimmers noch offen. Ich dachte so, da wird Luc (mit dem ich sonst das Zimmer teile) wohl heute nicht hier schlafen. Geh ich rein und da schlafen vier Leute im ausziehbaren Sofa neben meinem Bett :-). Verwandte von Lydie sind zu Besuch und im Haus ihrer Eltern hat es nicht genügend Betten, also wurden sie dort untergebracht, wo es Platz hat. Aber mich stört das nicht im Geringsten. Sonst hätte ich ja im Einzelzimmer "meiner" Villa bleiben können.

Ein Mädchen und...

... ein Baby in Andasibe. Kinder geben halt immer gute Motive ab...

Letzte Woche war eine Zahnpastatube leer und ich habe sie in den Abfalleimer geworfen. Als ich am Abend von der Arbeit nach Hause kam, sah ich die Tube auf einem Gestell. Als ich Lydie fragte, ob noch was drin wäre, antwortete sie nein, aber es sei halt ein Spielzeug für Rotsy. Ich habe mich fast ein bisschen geschämt, dass mir das nicht von selbst eingefallen ist. Und es wurde mir wieder mal bewusst, wie verwöhnt bei uns die Kinder (aber auch die Erwachsenen) eigentlich sind. Da haben sie Zimmer voller Spielzeug und langweilen sich trotzdem sehr oft. Hier beschäftigen sich die Kinder stundenlang mit Kleinigkeiten - sie haben ja auch keine andere Wahl. Allerdings denke ich nicht, dass sie hier deswegen ärmer dran sind als bei uns, im Gegenteil!

Eine Autowerkstatt - und wahrscheinlich reparieren sie hier so ziemlich alles - in Maevatanana, ein Dorf auf dem Weg nach Majunga.

Vor ein paar Wochen, als ich so durch die Reisfelder marschierte, hatte ich eine motivierende Begegnung. Und zwar kam ich an einem jungen Madagassen vorbei und wir haben uns gegrüsst. Das kurze Gespräch hat sich etwa so abgespielt:

Er: Bonj---. (weiter kam er aber nicht, weil ich fast gleichzeitig auf madagassisch gegrüsst habe).
Ich: Guten Tag.
Er: Guten Tag. Ah, du sprichst madagassisch.
Ich: Nur ein bisschen, ich lerne immer noch.
Er: Ganz stark!

Ich meine es war zwar purer Zufall, dass ich alles verstanden habe, denn das meiste verstehe ich immer noch nicht. Was aber schön ist, der Typ hat sich echt gefreut, dass ich seine Sprache lerne. Und das motiviert natürlich, immer weiterzumachen und nicht verzweifelt aufzugeben.

Ein wie immer gut beladenes Taxi-Be. Die Busse - meist kleine Mazda - für längere Strecken werden Taxi-Brousse genannt. Jene in der Stadt oder für kürzere Strecken - wie das hier auf dem Bild - Taxi-Be (wenn an ein Wort "be" angehängt wird, bedeutet das eine Steigerung. Hier "be" weil es ein grosses Taxi ist).

Heute Abend kommen drei Deutsche Freiwillige an, die muss ich am Flughafen abholen. Davor spielen wir noch bei Adam Karten (dort wo ich vorher gewohnt habe, er ist jetzt zurück für die Wartung des Flugzeuges). Und sonst gibt es eigentlich nicht viel Neues.

Bis dann

Matthias

Freitag, 28. August 2009

Von Gendarmen, Digicams und gerupften Hühnern

Diese Woche ist eigentlich nicht besonders viel passiert. Am Nennenswertesten ist fast das, was eben nicht passiert ist. Und zwar hätten wir einen coolen Ausflug nach Tamatave an der Ostküste machen können/sollen. Dort ist nämlich per Frachter der Container des neuen MAF Chefs eingetroffen (Jakob und seine Familie gehen im Dezember nach Deutschland zurück). Im Container befinden sich ein Auto und sonstige Gegenstände der Familie. Darum wollten wir mit einem leeren Auto runter- und dann mit zwei vollen Autos wieder zurückfahren. Wie so oft hier in Madagaskar - eigentlich sollte es mich ja schon lange nicht mehr erstaunen - dauerte der Papierkram viel länger als geplant. Darum fahren wir also erst nächsten Dienstag oder Mittwoch für zwei Tage nach Tamatave.

Ein Fischer bei der Arbeit in Mananjary.

Jetzt auch noch einige mehr oder weniger nennenswerte Sachen, welche tatsächlich passiert sind. Am Mittwoch ist eine Reisegruppe von Südafrika kommend hier in Tana gelandet, um dann gleich nach Île Sainte Marie weiterzufliegen. Da einer meiner Kollegen etwas bei sich hatte, was er dieser Gruppe mitgeben musste und da er kein madagassisch oder französisch spricht, habe ich ihn begleitet. Meine schlaue Idee war, die Leute gleich am Flugzeug abzufangen, damit wir nicht warten mussten, bis sie durch den Zoll und alles sind (ausserdem war ich mir nicht sicher, ob sie nicht direkt umsteigen würden). Ich also meinen Badge montiert (denn tatsächlich darf ich in diesen Bereich, warum auch immer) und los sind wir. Dort war auch ein Wachmann, welcher uns passieren liess. Soweit so gut. Bis wir dann aber beim Flugzeug angekommen sind wurden wir von mehreren Arbeitern angehalten, welche sich beschwert haben, dass wir keine Leuchtweste trugen (aha, gut zu wissen dass man das braucht, vor allem nachdem man kontrolliert wurde). Der eine hat dann noch etwas von mangelnder Disziplin gemurmelt und gesagt, wir sollen ins Büro der Gendarmerie gehen. Gesagt, getan. Dort mussten wir uns dann eine Predigt in madagassisch anhören, von welcher ich mehr als die Hälfte nicht verstanden habe (der Trick: zwischendurch nicken und so tun als hätte man alles begriffen). Langer Rede kurzer Sinn: Leuchtweste tragen, bevor man auf das Rollfeld geht.

Auf der Zugfahrt von Fianarantsoa nach Manakara.

Eine Bitte: falls jemand eine alte Digitalkamera bei sich herumstehen hat und sie nicht mehr braucht, ich kenne ein paar dankbare Abnehmer. Ein Freund von mir kommt am 23. September nach Madagaskar in die Ferien und der könnte die wahrscheinlich mitnehmen. Das gleiche gilt für einen alten Laptop, was vielleicht schon schwieriger ist, aber ich erwähne es trotzdem. Also bitte bei mir melden!

Ein Pousse-Pousse Fahrer auf der Suche nach Arbeit, fotografiert in Mananjary.

Gestern gab es bei uns zu Hause Poulet. Natürlich kann man das auch schon geschlachtet auf dem Markt kaufen. Bei uns gibt es aber das Geflügel meist frisch vom Hof. Ich finde, es ist noch interessant, wenn man das Tier von A bis Z selber zubereiten muss. Ich habe es zwar nicht selber geschlachtet und auch nicht ausgenommen. Und ich muss gestehen, gekocht habe ich es auch nicht. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich fast nichts gemacht, ausser beim Rupfen ein bisschen zu helfen. Was ich aber eigentlich sagen will, es ist halt anders, als bei uns im Coop oder der Migros ein Poulebrüstli z poschte (ein Spruch von Alistair (der Brite, mit dem ich ein paar mal in der Stadt war) und mir lautet: "Madagascar, it's different"). Zurück zum gerupften Huhn: gekocht wird natürlich fast alles, vom Kopf über den Hals bis hinunter zu den Beinen und auch gewisse Innereien. Ich bin ja was das Essen anbelangt nicht heikel, aber trotzdem nicht unglücklich, dass mir Lydie keinen Kopf oder Hühnerfuss in den Teller legt :-)

Im Taxi-B von Antsirabe nach Fianarantsoa.

Die Bilder stammen übrigens von der Reise, welche ich im Mai mit Tilman unternommen habe.

Schönes Wochenende

Matthias

Mittwoch, 19. August 2009

Allerlei Neuigkeiten

Die Aktuellen News in der Zusammenfassung:

Im Moment ist wieder ein Kollege hier in den Ferien, welcher im März nach langer Zeit in die Schweiz zurückgekehrt war. Erinnert ihr euch an die Hühnerfüsse? Das war auf seiner Abschiedsfeier :-) Er hat es allerdings nicht all zu lange zu Hause ausgehalten und ist jetzt wieder für einen Monat hier in Madagaskar. Zur Feier seiner Rückkehr waren wir letztes Wochenende am Abend zusammen in der Stadt und am Sonntag kam er zu uns nach Hause zum Mittagessen.

Das war Ende Mai, als ich mit Jakob und Patrick mit nach Tuléar durfte, Hier bei einer Zwischenlandung in Mitsinjo, wo wir den Arzt, welcher für die MAF die MMS (Madagascar Medical Safari) durchführt, abholten.

Mamiratra hat innerhalb einer Woche gelernt, ohne Stützräder Fahrrad zu fahren. Ich muss sagen, ich bin von dieser Fünfjährigen schwer beeindruckt, sie lernt schnell (ich weiss gar nicht mehr, in welchem Alter ich das lernte). Auch UNO kann sie schon spielen (nochmals merci Nicole ;-) und auf Englisch bis zehn zählen.

Auf der Rückfahrt von Mahanoro nach Tana. Das Kühlwasser war uns ausgelaufen und wir mussten mit wenig Werkzeug das Leck finden und beheben - was uns nach ca. 3 Stunden auch gelungen ist.

Diese Woche hatte ich die glorreiche Idee, Popcorn zu machen. Lydie kannte das noch gar nicht und darum hab ich mir gedacht, das wäre doch etwas. Leider sind dem Supermarkt die Körner ausgegangen, so muss ich das halt später einmal nachholen. Ich habe auch noch andere Ideen, was ich mal kochen könnte, zum Beispiel Häpperestock oder Rösti. In etwa einem Monat sind die Kartoffeln im Garten reif und dann kann ich diese Gerichte zubereiten. Oder mal eine Pizza bestellen wäre sicher auch cool. Diese Frauen arbeiten immer so viel, da kann ich gut auch mal etwas kochen oder liefern lassen.

Im Dörfchen Andasibe: Entlausen ist angesagt.

Letztes Wochenende habe ich zum ersten mal meine Wäsche von Hand gewaschen. Chrüzsackerment isch das a Chrampf! Drei Stunden lang jedes Wäschestück auf der Vorder-, Rück- und Innenseite bürsten und danach auswringen. Ich bin froh kommt langsam aber sicher wieder der Sommer zurück, dann kann ich mir wenigstens die Jeans, Pullover und Trainingsanzüge sparen. Einmal mehr bewundere ich die Frauen, die die Wäsche für sich, ihre Männer und Kinder waschen müssen.

Am Strand in Mananjary: die Kleine muss warten, bis ihre Kleider gewaschen und getrocknet sind.

Eigentlich hätte ich diese Woche wieder mal in den Busch nach Ampasinambo gehen sollen, um an der Landebahn weiter zu arbeiten. Da wir dort aber erst landen dürfen, sobald die Pistenmarkierungen angemalt sind und der Helikopter der Helimission nicht verfügbar ist, verzögert sich das ganze ein wenig. Das bedeutet also, dass ich vor Oktober nicht dorthin gehen werde, da Ende September ein Freund von mir hierher in die Ferien kommt. Zum Glück hat es aber noch andere Projekte, daher komme ich vielleicht trotzdem noch zu einem einwöchigen Einsatz im September. Würde mich auf jeden Fall wieder mal reizen, ein bisschen aus dem Büro rauszukommen und etwas anderes zu machen.

Herzliche Grüsse aus dem langsam aber sicher wieder wärmer werdenden Madagaskar.

Matthias

Mittwoch, 12. August 2009

Fondueplausch

Kann sich das jemand vorstellen? Ein moitié-moitié Fondue hier in Madagaskar! Und nicht einfach irgendeines: eine Vacherin-Gruyère Mischung aus dem geliebten Freiburgerland. Patrick hat den Käse mitgebracht und dann haben wir zwei ein Fondue für unsere madagassischen Kollegen zubereitet. Für die meisten - wenn nicht sogar für alle - war es natürlich das erste Fondue überhaupt. Und es hat ihnen sichtlich geschmeckt.

Der Experte (ehm na ja...) bei der Arbeit.

Experte Nummer zwei, mit Arbeitskolleginnen.

Ein Kollege hat zu diesem Anlass ein schweizer Fussballtrikot angezogen.

Letztes Wochenende war recht gut. Am Freitag Abend waren der Brite und ich wie gesagt seit langem wieder mal in der Stadt. Das Konzert und die Stimmung waren super. Am Samstag Vormittag habe ich Mamiratras Fahrrad repariert. Der vordere Pneu hatte sage und schreibe drei Löcher. Jetzt kann sie lernen, ohne Stützräder zu fahren. Am Abend waren wir mit ein paar Arbeitskollegen an einem anderen Konzert. Es war zwar nicht schlecht, aber das Eintrittsgeld doch nicht ganz wert. Danach gingen wir noch in eine Disco, die leider auch nicht so gut besucht war. Eher ein durchzogener Abend... Am Sonntag Nachmittag waren wir in der Stadt im Zoo, Lolonia, Mamiratra, Luc und ich. Schon krass, als Ausländer ist der Eintritt 25x höher als für die Madagassen! Tja, "di nämes vo de Läbige".

Letztes Wochenende war auch daher besonders, dass ich nun endlich jede Verbindung zum "zivilisierten" Leben gekappt habe :-) Vorher war es so, dass ich immer in mein altes Heim zurück musste, um die Hunde zu füttern, weil zu dieser Zeit niemand dort wohnte. Dann habe ich die Gelegenheit manchmal beim Schopf gepackt, um eine warme Dusche zu nehmen und meine Wäsche zu waschen. Jetzt sind dort wieder Leute drin und ich konnte meinen Schlüssel abgeben. Ist schon schön, wenn man am Abend nach Hause kommt und nicht wieder weg muss um noch etwas zu erledigen. Baden mit kaltem Wasser vom Brunnen bin ich mir ja schon gewöhnt, jetzt geht es halt noch einen Schritt weiter, indem ich auch meine Wäsche von Hand waschen muss.
Wer jetzt denkt, dass mich die Würmer, Parasiten und andere Bazillen geradezu auffressen werden: Wasser kann man kochen und Waschmittel gibt es sogar hier... (das alles nur, um jeder Art von Ist-Das-Denn-Nicht-Gefährlich-Für-Dich-Und-Deine-Gesundheit-Fragerei vorzubeugen :-).

Bis bald "u häbets guet"

Matthias

Mittwoch, 5. August 2009

War auch langsam Zeit...

... dass ich euch Photos von meinem neuen Zuhause zeige. Es sind zwar im Moment nur eine Handvoll, - ich werde sicher noch mehr schiessen - aber für den Anfang ist das ja schon mal was.

Das ist Play, mein vorheriger Zimmergenosse, Madagassischlehrer und Freund. Hier beim Dominospiel in Mahanoro.

Das Haus, in dem ich jetzt seit mehreren Wochen glücklich und zufrieden wohne.

Das ist Lidy, Plays Schwester, beim Waschen. Sie ist 22 Jahre jung, hat ein Kind, schmeisst den ganzen Haushalt und ist immer gut gelaunt. Ich mag und bewundere sie sehr.

Links Rotsy (Rutsi ausgesprochen) und rechts Mamiratra (Mamiradscha ausgesprochen). Rotsy ist die Tochter von Lidy und Benja. Mamiratra ist die Tochter von Benjas Schwester Lolona.

Und hier die zwei nochmals...

... im Grossformat.

In letzter Zeit spielen wir viel UNO (merci Nicole), da haben sie wirklich sehr Freude dran. Sonst lief eigentlich nicht sehr viel. Letzten Samstag war ich mit zwei neuen Volontären in der Stadt bei einem Arbeitskollegen zum Mittagessen und am Sonntag bei der Mutter eines Kollegen zur Geburtstagsfeier (die gehören zur gleichen Familie wo ich jetzt wohne, darum war ich dort auch eingeladen...).
Dieses Wochenende werden wir seit langem am Abend wieder mal in die Stadt gehen, in irgendeine Bar, wo eine Band spielt. Der eine Freiwillige ist Brite und der ist für ein Bier oder zwei gerne zu haben :-)
Tja, nachdem mein Besuch wieder zu Hause ist, kehrt auch bei mir wieder ein bisschen der Alltag ein.

Ciao

Matthias

Dienstag, 28. Juli 2009

Dorthin wo's warm ist

Um der Kälte hier in Tana ein bisschen zu entfliehen, fuhren wir letzte Woche von Mittwoch bis Sonntag an die Küste nach Mahajanga (oder auch Majunga), eine Stadt nordwestlich von Tana. Da im Moment Winter herrscht hier in Madagaskar (ja, sogar eine Tropeninsel hat eine kalte Jahreszeit), sind die Temperaturen dort erträglich. Aber ehrlich, ich weiss nicht, wie man es dort im Sommer aushalten kann, denn schon jetzt ist die Luft ziemlich feucht und heiss.

Um nicht die ganze Strecke in einem Stück fahren zu müssen, haben wir in Maevatanana einen Zwischenstop gemacht. Das hatte den Vorteil, dass wir nie nachts gefahren sind und auch nicht zu lange pro Tag unterwegs waren. So kamen wir dann jeweils weniger müde am Ziel an und konnten erst noch die schöne Landschaft bewundern.

Auf der Fahrt nach Maevatanana, mit meinen zwei Besucherinnen. PS: keine blöden Kommentare über meine neue Frisur. Wenn man nur einen Brunnen zum Waschen hat ist so ein kurzer Haarschnitt wirklich praktisch :-)


Diese Bilder sind vom Anfang der Reise. Man sieht, es ist noch relativ hügelig, hier sind wir immer noch auf dem Hochplateau.

Dies ist Maevatanana, ein gemütliches kleines Dorf mit extrem freundlichen Leuten.

Um einem Parasitenbefall so gut wie möglich und mit einfachen Mitteln entgegenwirken zu können, ist es unausweichlich, auf die lokalen Produkte zurückzugreifen.

Was ganz sympathisch ist an Madagaskar: in jedem noch so kleinen Dörflein gibt es am Strassenrand kleine Läden, wo man Getränke und am Abend Fleischspiesse kaufen kann.

Die Landschaft wird flacher...

...

... und karger. Es geht Richtung Küste!

In Majunga hatten wir für die erste Nacht ein sehr schönes, aber auch ausschliesslich touristisches Hotel. Irgendwie ein komisches Gefühl, wenn man für eine einzige Übernachtung eineinhalb mal soviel bezahlt wie ein Madagasse pro Monat verdient.

Das war uns aber dann doch ein bisschen zu teuer (trotz dem schönen Pool). Darum sind wir für die zwei verbleibenden Nächte in dieses farbenfrohe madagassische Hotel umgezogen.

Die berühmte Sehenswürdigkeit in Mahajanga: ein 700 Jahre alter Baobab.

Zum Schutz vor der Sonne crèmen sich die Frauen ihre Gesichter mit einer Paste ein, welche aus gestampften Holz und Wasser besteht.

Eine sehr schöne Stelle in Majunga ist diese Promenade, "La Corniche" genannt. Abends flanieren dort immer sehr viele Leute entlang.

Ganz schön sind auch die Tische am Strassenrand, wo man sich hinsetzen kann und eine "Mamma" feines Essen zubereitet - Spiesse, Crêpes, Maniok, Bananen im Teig, etc...

Am Samstag haben wir eine Arbeitskollegin von mir getroffen (rechts im Bild) und waren dann zusammen unterwegs.

Um Zeit zu sparen, sind wir dann am Sonntag mit einem Air-Madagaskar Flug nach Tana zurückgeflogen. Es war wieder mal ein wunderbarer Ausflug. Was mich mehr und mehr fasziniert an diesem Land ist seine Vielfalt: da ist man am Meer an der Sonne und schwitzt wie Sau und eine Stunde später ist man im Hochland und friert sich den Arsch ab. Ausserdem werde ich je länger je mehr Fan von den Taxi-B. Man kommt wirklich fast überall hin mit diesen Dingern - und das sehr günstig. Und wenn man sich die vorderen Plätze reserviert, dann sogar recht bequem.

Morgen fliegt mein Besuch leider schon wieder in die Schweiz zurück - drei Wochen vergehen einfach viel zu schnell. Aber wir hatten eine super Zeit zusammen und dafür bin ich wirklich dankbar.

Übrigens habe ich heute meine Filme zum Entwickeln verschickt. Wenn also nichts schief geht werde ich schon recht bald die ersten Bilder von meinem neuen Zuhause zeigen können. Seid gespannt, seid seid gespannt.

So, das wars wieder mal.

Alles Gute euch allen.

Matthias

Montag, 13. Juli 2009

Ich habe Besuch!

Letzten Mittwoch sind Miga und Nicole hier in Madagaskar angekommen. Um ihnen schon mal einen ersten Eindruck vom Land zu vermitteln, sind wir von Donnerstag bis Sonntag in den Nationalpark von Andasibe-Mantadia gefahren. Es war einfach herrlich! Das Wetter spielte gut mit und wir haben viele Indris, Lemuren und andere Tiere gesehen. Schon nur das Spazieren durch den Regenwald war ein Erlebnis für sich.

Reisfelder und ein Teil von Andasibe

Donnerstag und Sonntag haben wir jeweils in den Taxi-Bussen verbracht, was eigentlich recht problemlos vonstatten ging - wenn man 7 und 5 Stunden Reisezeit für 150km als problemlos bezeichnen kann :-) Dies nur, um wieder mal zu verdeutlichen, dass das Reisen hier in Madagaskar nicht zu vergleichen ist mit Europa.

Vom Balkon unseres Hotels aus. Wir waren wirklich mitten im Dorf

Ein paar Rotznas..., ehm Kinder

Am Freitag waren haben wir eine fünfstündige Tour durch das Analamazaotra Reservat gemacht, welches Teil vom Andasibe-Mantadia Nationalpark ist.

Ein Indri und...

... Lemur im...

... Analamazaotra Reservat

Dann am Samstag waren wir im Mantadia Nationalpark. Um dorthin zu kommen, mussten wir zuerst eineinhalb Stunden Fahrt auf einer recht schlechten Strasse in einem alten Peugeot 205 über uns ergehen lassen. Dafür waren die zwei Tours, die wir machten, umso schöner. Im Gegensatz zum Analamazaotra Reservat ist dort nämlich noch alles Primärwald, also "unberührter" Wald ohne eingeführte Pflanzen- oder Tierarten.

Ein Bassin im Mantadia-Nationalpark

Um diese Wälder überhaupt besichtigen zu dürfen, muss man einen Führer engagieren - was auch gut ist, denn sonst kann man sich dort wirklich verirren! Wir haben einen sehr motivierten und netten Typen gefunden, der uns viel erklärt und gezeigt hat. So war das ganze ein super Erlebnis.

Und zum Schluss noch ein Bild von "zu Hause". Durch diese Reisfelder marschiere ich jeden Tag, um die Hunde im Gästehaus füttern zu gehen. Im Moment blühen sie sehr schön grün (die Reisfelder, nicht die Hunde :-).

Die Fotos kommen aus der Kamera von Miga. Übrigens benutzt auch Nicole eine alte Filmkamera - ich bin also gar nicht sooo ein Exot wie ihr vielleicht immer denkt :-)

Tschüss alle zusammen

Matthias

Montag, 6. Juli 2009

Abenteuerliche Rückfahrt von Mahanoro

Die Zeit in Mahanoro war wirklich super. Das Wetter war schön und warm und wir haben gefischt (ich habe leider nichts gefangen) und die Zeit genossen. Am Dienstag fuhren wir wieder nach Tana zurück. Geplant war, so um 10:00 morgens loszufahren und abends um 18:00 in Tana anzukommen. Aber natürlich, wie (fast) immer in Madagaskar, kam alles anders als geplant:

Der Helikopter kam später zurück als erwartet und so fuhren wir erst um 11:20 los. Zu allem Überfluss hatten wir dann auch noch ein Problem mit dem Auto, es hatte ein Leck und verlor darum das ganze Kühlwasser. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen hatten wir kaum Werkzeug und brauchten darum etwa 3 Stunden, um das Leck zu reparieren und Wasser nachzufüllen.
Die Fahrt ging dann aber recht zügig voran, bis wir an einen Lastwagenunfall kamen und dort wieder etwa eine Stunde warten mussten. In der Nacht auf der Strasse unterwegs zu sein ist zum Teil recht beängstigend, so kriminell wie manche Leute fahren. Es ist zum Beispiel vorgekommen, dass mir in einer Kurve (!!!) auf meiner Seite ein LKW entgegen kam, der einen anderen Laster überholt hat. Wie gesagt, manche spinnen echt.

Glücklicherweise kamen wir dann um 23:30 in Tana an, mit einer minimen Verspätung, aber wenigstens in einem Stück, was unter gegebenen Umständen wohl mehr war, als man erwarten konnte.

Letzte Woche war übrigens sehr kalt bei uns hier in Tana. Und mit kalt meine ich kalt, nämlich weniger als 10°C in der Nacht. Auch tagsüber muss man lange Kleidung tragen und im Büro habe ich sogar einen Ofen neben mir (den habe ich aber erst einmal gebraucht :-). Eines der Probleme ist, dass die Gebäude nur schlecht oder gar nicht isoliert sind. Wenn dann ein kalter Wind geht, dann friert man einfach sofort.

Also, bis dann.

Matthias