Mittwoch, 4. November 2009

Gruten Tag und wie heisse ich?

Benjas Vater "Papa" hat von Pascal - welcher vor mir dort gewohnt hat - ein bisschen Deutsch gelernt. Jeden Tag, wenn er mich sieht, begrüsst er mich mit einem freundlichen "Gruten Tag Matthias". Immer wieder aufs Neue eine Freude :-)

Jeden Tag, wenn ich zur Arbeit gehe oder nach Hause komme, begrüsst mich ein Nachbarskind mit den Worten "Manahoana vazaha? Omeo vola aho" ("Wie gehts Weisser? Gib mir Geld", Anm. d. Red.). Diese Woche habe ich sie gefragt, wie sie heisst. "Jenny" hat sie geantwortet. Dann habe ich sie gefragt, ob sie wisse, wie ich heisse. Die logische Antwort war natürlich "vazaha". Fand ich auch ganz lustig.

Letzten Samstag war ich 70 kg Reis kaufen - 20 kg für Lolona und Mamiratra, 50 kg für uns. Einer meiner Arbeitskollegen meinte, wenn dieser Sack 2 Monate hält, kann ich mich glücklich schätzen. Wir werden sehen. Ich habe dann einen Mann "engagiert", der den Reis mit seinem Karren bis zu unserem Haus gefahren hat. Das letzte Stück mussten wir allerdings zu Fuss gehen, da die schmale Holzbrücke nicht für den Karren geeignet war. Erstaunlich, dieser kleine magere Typ hat die 50 kg wie nichts gepackt. Ich kam dann schön auf die Welt, als ich den Sack ins obere Stockwerk bugsiert habe - wobei, da bin ich vielleicht auch nicht wirklich ein Gradmesser...

Meinen schwarzweiss Film von den Ferien kann ich hier in Madagaskar definitiv nicht entwickeln lassen. Zum Glück hat Mänu mir ein paar seiner Bilder geschickt. Diese und ältere von mir könnt ihr unten stehend betrachten (einige davon sind beim Scannen ein bisschen hell geraten, liegt also nicht an meiner eigenen Unfähigkeit):

Dies wären also die Tsingy, so weit das Auge reicht. Diese Felsformationen wurden durch den Regen ausgewaschen und sind wirklich eindrücklich anzuschauen.

Am ersten Tag bei einer Stadtbesichtigung.

Die folgenden Fotos sind von Tamatave (madagassisch Toamasina), als wir dort waren, um Auto und Gepäck vom neuen MAF Boss abzuholen:



Im Hintergrund der Hafen, wo die Fracht eingetroffen ist. Von diesen Pousse-Pousse, welche mit einem Fahrrad statt von Hand gezogen werden, gibt es in Toamasina viele.

Und wieder ein paar Bilder von Ambositra, wo ich ja jetzt zweimal war, um an der Landebahn zu arbeiten:

Ich finde die 20 km Fahrt von Ambositra zur Landepiste landschaftlich sehr ansprechend - viele Hügel und Kurven und dazwischen jede Menge Reisfelder mit arbeitenden Leuten.

Manchmal kommt man hier in Madagaskar in ein Dorf, wo man haufenweise wunderschöne Kinder sieht. Ich weiss auch nicht wieso...



Als die Arbeit getan war, haben wir die Pappschachteln den Kindern überlassen, worüber sie offensichtlich sehr glücklich waren. Auch leere Pet-Flaschen sind immer ein willkommenes Geschenk.

Mein Arbeitskollege Michel beim Mittagsschläfchen. Man beachte den Schriftzug auf dem Reifen... Er ist übrigens der Bruder von Benja.

Und zum Schluss wieder mal ein paar Bilder von zu Hause:

Lydie mit ihrer Mutter.

Das ist David, der Vater von Lydie und Play. Er ist ein sehr aufgestellter Mann, obwohl er arm ist. Er arbeitet hart sechs Tage die Woche und hat trotzdem nichts. Er hat keine feste Arbeit - ausser die Schweine und Felder zu Hause (aber die bringen nicht jeden Tag Geld ein) - und macht, was sich grad so ergibt. Er hat auch schon für die MAF in Ampasinambo gearbeitet. Zu allem Überfluss ist vor ein paar Wochen auch noch seine Kuh gestorben - durch sie konnte er wenigstens jeden Tag Milch verkaufen.
Arbeitslos in Madagaskar ist übrigens nicht zu vergleichen mit der Schweiz. Hier gibt es viele, die arbeiten möchten, aber es hat einfach zu wenig Arbeit. Und die, welche keine Arbeit haben, die bekommen vom Staat nichts.
Play macht eine Ausbildung zum Automechaniker bei einer Organisation, welche eigentlich nur Waisen und Halbweisen ausbildet. Er hat dort einen Ausbildungsplatz gefunden, weil der Bürgermeister ein Dokument ausgestellt hat, welches offiziell bestätigt, dass seine Eltern arm sind.


Sieht so aus, als hätte ich grossartig mitgeholfen, das Feld umzustechen. Die Hilfe war aber nur von kurzer Dauer. Aber besser als nichts, für eine Blase an der Hand hats auf jeden Fall gereicht.

Das ist auf dem Dach des Hauses, von wo aus man eine schöne Aussicht über die Reisfelder hat. Ausserdem trocknen die Kleider nach dem Waschen recht schnell.

So, die erste Nahaufnahme von Anjarasoa. Das Bild ist leider ein wenig verschwommen, da ich bei meiner Kamera keinen Blitz habe.

Diesen Sonntag fahre ich mit Jakob und seiner Familie, den drei neuen deutschen Freiwilligen und der Familie von Adam - unser Flugzeugmechaniker - nach Lac Mantasoa, um Wasserski und Wakeboard zu fahren. Für Jakob wird es das letzte mal sein, dort hin zu gehen. Für mich übrigens auch. Wie ihr vielleicht gemerkt habt, rückt die Stunde meiner Rückkehr unerbittlich und mit einer beängstigenden Geschwindigkeit näher.

Bis bald

Matthias

Freitag, 30. Oktober 2009

Hauptberuf: Babysitter

In letzter Zeit, immer wenn ich nach Hause komme, drückt mir Lolona ihr Mädchen in die Arme und ich halte sie dann solange, bis Lolona ihre Sachen erledigt hat oder Anjarasoa Hunger bekommt. Das klingt jetzt, als würde mir das keine Freude machen, aber natürlich ist das Gegenteil der Fall, wie auf dem unten stehenden Bild zu erkennen ist :-)

Der Vater des Kindes ist übrigens unbekannt, oder besser gesagt, nur die Mutter kennt ihn... Da das Mädchen (noch) ziemlich weiss ist, habe ich schon ein paar mal gewitzelt, dass der Vater ein Weisser sein könnte. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch gerne anmerken, dass zu der Zeit, als Lolona schwanger wurde - das heisst Anfang Januar - ich sie noch gar nicht gekannt habe. Spart Euch also die blöden Kommentare und Witze, denn für die bin ich hier zuständig ;-)

Da meine Fotos wieder mal auf sich warten lassen, hat Sascha für mich eins gemacht. Hier also das erste Bild von Anjarasoa. Der Gangster links von mir ist Luc, der Sohn eines Arbeitskollegen und Neffe von Benja und Lydie. Anfang Jahr war schon mal ein Bild von Luc mit einem Chamäleon auf dem Blog...

Gestern waren wir zwei Säcke Kohle kaufen. So müssen die Frauen nicht jeden zweiten Tag selber mit einem Plastiksack gehen. Als nächstes werde ich einen 50kg Sack Reis besorgen, dann haben die Frauen auch wieder etwas weniger, an das sie denken müssen. Bin gespannt, wie lange wir brauchen, um den Reis zu essen. Bei uns in der Schweiz wären wir Jahre dran. Hier ein paar Wochen. Ich tippe auf höchstens zwei Monate.

In letzter Zeit spiele ich viel Memory mit Mamiratra (danke Hans und Inès). Sie wird jeden Tag besser und es macht Spass, sie so gute Fortschritte machen zu sehen.

Das wars für heut. Dieser Bericht ist noch kleiner und feiner als der letzte...

Bis dann

Matthias

Freitag, 23. Oktober 2009

Wie viele Zacken hat eine Toblerone?

12

Und das weiss ich, da ich von euch allen immer so tolle Pakete mit Schokolade bekomme. Darum Danke!

Viel Neues gibt es seit den Ferien allerdings nicht zu berichten. Die Zeit in Ambositra war wie schon letztes mal super. Das Flugzeug ist zweimal gelandet, zuerst nur mit Fracht und danach mit Passagieren. Bei der zweiten Landung hat es geregnet und der Pilot hat nichts gesehen ausser unsere Pistenmarkierungen. Heisst also, dass wir nicht vergebens dort waren.
Langsam aber sicher bin ich fast lieber draussen am Arbeiten statt im Büro. Aber ich glaube, für den Rest dieses Jahres stehen keine weiteren Landebahn-Projekte mehr an. Und Flüge haben wir auch nicht sehr viele. Sieht so aus, als käme ich nicht mehr all zu oft aus meinem Bürosessel raus.

Wenn ich schon bei der Arbeit bin: Ich habe den ganzen schönen Dienstag damit verbracht, einen Computervirus vom Server zu löschen. Und das nur, weil einige Leute mit ihren verseuchten USB Sticks ins Büro kommen. Tja, mit solchem habe ich hier zu kämpfen. Aber jetzt wo das Problem gelöst ist, kann ich wenigstens sagen, dass ich etwas zu tun hatte und etwas dazugelernt habe. :-)

Das Baby von Lolona ist gesund und munter und meistens ein braves Mädchen. Auf jeden Fall bin ich nachts noch nie von ihr wach geworden. Bilder von ihr folgen in den nächsten zwei bis zweiundzwanzig Wochen :-)

Es sieht so aus, als würden wir dieses Wochenende seit langem wieder mal Fussball spielen gehen. Darauf freue ich mich schon.

Ach noch eine oder besser gesagt zwei schlechte Nachrichten. Mein Natel machts wirklich nicht mehr lange. Die Batterie hält wenn es gut geht einen Tag. Eine Ersatzbatterie habe ich bis jetzt noch nicht gefunden (aber aufgegeben habe ich noch nicht :-). Zum Glück gibt es madagassische Handys. Und zwar für umgerechnet etwa 8 CHF, inklusive SIM-Karte und Guthaben von 2.5 CHF :-) Leider sind diese Handys vergriffen und ich muss mir ein gebrauchtes kaufen. So bleibe ich meinem Ruf als derjenige mit dem schlechtesten Handy weit und breit also weiterhin treu.

Für heute wars das schon.

Der Bericht ist zwar klein, aber fein.

Bis dann

Dienstag, 13. Oktober 2009

Ferienbericht

Die Ferien sind schon seit letzter Woche zu Ende, Mänu ist wieder gut und in einem Stück zu Hause angekommen und nun habe ich endlich endlich ein bisschen Zeit, in aller Eile einen Ferienbericht zu schreiben. In wenigen Stunden geht es nämlich wieder los nach Ambositra, wo wir vor Kurzem die Piste zurechtgemacht haben. Jetzt müssen wir dort noch Pistenmarkierungen anbringen, nicht dass der Pilot die Maschine in die Reisfelder setzt. Mehr dazu aber nächste Woche, zuerst kommt der Ferienbericht. Fotos kommen wie immer erst später (wenn überhaupt, denn ich weiss nicht, ob ich meinen schwarz-weiss Film hier entwickeln lassen kann). Darum müsst ihr vorerst mit älteren Fotos vorlieb nehmen.


Mänu hat den langen Flug gut überstanden und ist zwar müde aber glücklich hier angekommen. Auch beim Zoll hatte er trotz seiner schweren Fracht keinerlei Probleme. Am nächsten Morgen gab es also erst mal Bescherung für die Leute zu Hause. Auf diesem Wege nochmals allen ein herzliches Dankeschön für all die tollen Sachen, die Ihr Mänu mitgegeben habt! Am Nachmittag haben wir einen Rundgang in der Stadt gemacht.

Am Freitag hatten wir dann unseren Flug, welcher uns nach Antalaha bringen sollte. Nach der Zwischenlandung in Maroantsetra war allerdings die Batterie kaputt und die Propellermaschine konnte nicht mehr gestartet werden. Resultat: eine gratis Übernachtung in einem sehr schönen Bungalow am Strand. Und da wir ja kein fixes Ferienprogramm geplant hatten, war uns das eigentlich nur recht.

Ein Zebu bei uns neben dem Haus. Ein bisschen wie eine Mischung aus Kuh und Dromedar, mit seinem Höcker...

Am nächsten Tag dann haben sie einen Mechaniker von Tana einfliegen lassen, welcher das Problem behoben hat. Danach ging es los nach Antalaha, einem kleinen Städtchen an der Ostküste Madagaskars. Den Tag haben wir damit verbracht, uns im Ort umzusehen und am Strand zu sitzen. Mänu konnte sogar ein paar Wale im Meer beobachten. Da ich meine Brille im Hotelzimmer gelassen hatte, ist mir dieses Spektakel leider entgangen.

Da es in Antalaha nichts Neues mehr für uns zu sehen gab, fuhren wir am Sonntag weiter nach Sambava. Die Strasse dorthin war sehr gut und wir kamen darum schon vormittags an. Da das Städtchen uns nicht speziell zusagte und der Tag noch lange war, entschlossen wir uns, direkt nach Vohémar weiterzufahren. Die Fahrt war ein bisschen mühsam, da der alte Bus an jedem Scheiss-Kaff angehalten und darum die Dauer der Reise sehr verlängert hat. Aber dafür erlebten wir typisches Madagaskar-Feeling an dem Tag, will heissen: im Taxi-B nach Sambava hatten drei Leute in einer Reihe Platz, vier wurden aber eingequetscht. Im Bus nach Vohémar hatten vier in einer Reihe Platz, aber fünf mussten sich die Sitze teilen.
Da wir bei der Ankunft ein wenig erschöpft waren und wussten, dass die Reise von Vohémar nach Ambilobe kein Zuckerschlecken werden würde, blieben wir zwei Nächte dort.

Benja und Lydie beim reparieren unserer Stromquelle.

Dienstag stand dann die Reise zwischen Vohémar und Ambilobe auf dem Programm. Ich wusste schon vorher, dass die Strasse zwischen diesen beiden Städtchen schlecht ist und darum nicht von normalen Taxi-Brousse, sondern von 4x4 Geländewagen befahren wird. An diesem Tag wieder mal Madagaskar Live: wir sollten um 7 Uhr beim Hotel abgeholt werden. Um halb 7 kam erstaunlicherweise der Fahrer mit seinem Toyota Hilux vorbei. Er sagte uns dann, er würde andere Leute abholen und dann um 8 Uhr zu uns kommen. Soweit so gut. Wir also wie abgemacht um 8 Uhr abfahrbereit vor dem Hotel. Dort haben wir das erste mal an diesem Tag gewartet, nämlich bis 9 Uhr. Das ist soweit nicht tragisch, alles andere hätte mich erstaunt. Dann fuhren wir durch Vohémar, um Gepäck und was weiss ich alles abzuholen. Schliesslich kamen wir an der Haltestelle an und alles Gepäck wurde aufs Dach geladen. Sehr gut, erst 10 Uhr und jeden Augenblick geht es los! Der Fahrer wollte "nur noch schnell 5 Minuten weg, um Leute aufzuladen". Tja, langer Rede kurzer Sinn, schlussendlich sind wir dann um 2 Uhr nachmittags abgefahren. Ich habe ja hier in Madagaskar gelernt, geduldig zu sein, aber das war sogar für mein Empfinden eine lange Warterei.
Aber das Schönste kommt noch: da war also dieser Toyota Hilux, ein Geländewagen mit einer Fahrerkabine für normalerweise 3 Leute und dahinter einer Ladefläche. Über der Ladefläche war ein Dach zum Schutz der Leute, die dort drin Platz nahmen und auch, um das Gepäck dort zu befestigen. In der Fahrerkabine waren inklusive Fahrer vier Personen, eine davon ein Baby. Mänu und ich hatten das Glück, mit 16 anderen Leuten auf der Ladefläche zu sitzen. Ich hatte vor mir ein Reserverad, worauf ich knapp meine Füsse stellen konnte. Aber viel Platz hatte es nicht, weil auf dem Rad noch eine alte Frau sass. Mänu neben mir hatte nicht das bessere Los gezogen, denn er war auch eingequetscht und wusste nicht recht wohin mit den Beinen.
Das wäre ja alles noch nicht so schlimm, wenn die Fahrt nach ein paar Stunden zu Ende wäre. Aber 11 Stunden, das geht auf Gemüt und Gesäss und in die Beine. Aber im Nachhinein war es eine gute Sache, diese Reise so zu machen. Was mich immer wieder erstaunt sind die madagassischen Kinder. Es waren zwei kleine Mädchen dabei, die haben während der ganzen Reise nicht einen Mucks von sich gegeben. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Kinder hier aus einem anderen Holz geschnitzt sind als die bei uns in der Schweiz.
Um zwei Uhr in der Nacht kamen wir ausgelaugt in Ambilobe an und haben so schnell wie möglich ein Hotel gesucht. Ich habe mich noch nie in einem Ort Madagaskars so unwohl gefühlt wie dort. Vielleicht lag es daran, dass es mitten in der Nacht war, als wir ankamen. Auf jeden Fall sind wir am nächsten Tag sofort weiter nach Diego.

Papa, der Vater von Benja, nie ohne seinen Radio.

Diego ist eine ziemlich schöne Stadt, aber unglaublich touristisch. Auf so etwas war ich nicht vorbereitet. Ich habe schon lange nicht mehr so viele weisse Leute auf einem Haufen gesehen :-). Um genug Zeit zu haben, einen Nationalpark zu besichtigen, waren wir nur einen Tag und eine Nacht in Diego. Dort haben wir zwei Kilo Vanille gekauft und uns dabei wie Grünschnäbel abzocken lassen. Die Frau, die uns das erste "Kilo" verkauft hat, hatte die Vanille schon in 200 Gramm Plastiksäckchen abgepackt. Wir haben also fünf davon gekauft, um ein Kilo zu haben. Neugierig und misstrauisch wie ich bin, habe ich dann später die Vanille gewogen. Grad mal 900 Gramm waren es! Als ich sie später wieder getroffen und darauf angesprochen habe, meinte sie, ihre Waage wäre halt anders als unsere. Ja sicher, erzähl du nur! Bei der zweiten Verkäuferin habe ich dann im Restaurant nach einer Waage gefragt. Auch diese hätte uns zu wenig verkauft, wenn ich nicht nachgewogen hätte. So müssen die mir nicht kommen. Der Preis der Vanille ist schon so hoch genug, dann sollen sie wenigstens die vereinbarte Menge geben. Ich bezahle ja auch nicht mit Blüten...

Der Beweis, dass ich meine Kleider wirklich selber und von Hand wasche. Rechts im Bild Vero, Plays und Lydies Schwester. Das Foto hat übrigens Lydie gemacht.

Städte haben wir schon viele gesehen, darum war es eine schöne Abwechslung, ein wenig die Natur zu besichtigen und kennenzulernen. Der Nationalpark, den wir besuchten, befindet sich 100km südlich von Diego. Wir fuhren also am Morgen von Diego los und konnten am Nachmittag eine Tour durch Grotten mit Fledermäusen besichtigen. Das interessante an diesen Grotten ist folgendes: in Madagaskar gibt es 18 verschiedene Völkergruppen. Als sich zwei davon vor längerer Zeit bekriegt haben, hat eine davon Zuflucht in diesen Grotten gefunden. Die Leute wären dort aber fast gestorben. Jetzt ist es noch heute Leuten der gegnerischen Volksgruppe untersagt, diese Grotten zu betreten. So konnte der Präsident Madagaskars - und ich rede vom rechtmässig gewählten und nicht vom jetzigen - diese Grotten nie besichtigen.
Am Nächsten Morgen haben wir einen Ausflug zu den Tsingys gemacht, das sind spezielle Felsformationen, welche im Laufe der Zeit durch den Regen, welcher die Steine ausgewaschen hat, entstanden sind.

Lolona, die Mutter von Mamiratra. Sie hat letzten Montag ein Mädchen namens Anjarasoa (ausgesprochen "Ansarasu) Michaella geboren. Beide sind wohlauf.

Danach wollten wir so schnell wie möglich nach Mahajanga, weil das ist wirklich die Stadt der Städte hier in Madagaskar, finde ich. Die Strände sind wunderbar und das Nachtleben fantastisch. Also haben wir an der Strasse auf ein Taxi-Brousse gewartet, welches noch Platz für uns hatte. Kaum hatten wir unseren Jass angefangen, kam auch schon eines, welches uns bis nach Antsohihy fahren konnte. Was für ein Glücksfall! Dort kamen wir dann am späteren Abend verschwitzt von der Tour am Morgen und müde und hungrig an. Wir haben uns an der Strasse an einen Tisch gesetzt, um etwas zu trinken und zu essen. Einige Leute haben uns angeschaut, als hätten sie noch nie einen Weissen gesehen (nicht unfreundlich, eher neugierig). Anscheinend machen in diesem Dorf nicht allzuviele Touristen halt. Dementsprechend auch das Hotel: in einem so schlecht durchlüfteten und drückend heissen Loch habe ich noch selten mal genächtigt.

Als ich in Mahajanga im Hotelzimmer meinen Rucksack öffnen wollte, habe ich - zum Glück - einen Skorpion entdeckt, welcher es sich am Reissverschluss gemütlich gemacht hatte. Die Angestellten im Hotel meinten, er wäre giftig. Ich weiss es bis heute nicht, bin aber froh, dass er mich nicht gestochen hat. Eine kleine Suche auf dem Internet hat ergeben, dass ich diesen sehr wahrscheinlich vom Nationalpark mitgebracht hatte, da es dort angeblich von Skorpionen nur so wimmelt. Würde mich allerdings nicht erstaunen, wenn er vom Hotel der vorherigen Nacht käme...

Die kennt Ihr schon, das ist Mamiratra.

In Mahajanga haben wir unsere Ferien ausklingen lassen, was soviel heisst wie: tagsüber baden am Strand und Souvenirs kaufen, abends bei der Meerespromenade sitzen und Fleischspiesse essen. Wir wollten zusammen 100 davon verdrücken, haben dann allerdings bei 70 aufgegeben.

Am Dienstag fuhren wir dann von Mahajanga nach Tana zurück, genau 555km. Die Strasse könnte besser kaum sein und auch landschaftlich mag ich diese Stecke sehr. Von kargen Ebenen an der Küste zu den Hügeln vom Hochplateau, so wird das Betrachten nie langweilig.

Mittwoch war der letzte Tag von Mänu vor seiner Abreise. Darum habe ich ihm noch die Garage der MAF gezeigt, um ihn ein bisschen gluschtig zu machen (er wäre der ideale Mann, um dort zu arbeiten. Sorry Mänu, das musste gesagt sein :-). Danach haben wir noch Früchte gekauft, seine Sachen gepackt und die letzten Stunden genossen.

Tja, und so gingen auch diese super Ferien zu Ende und ich muss jetzt los zur Arbeit.

Bis nächste Woche

Matthias

Montag, 21. September 2009

Was nicht passt, wird passend gemacht

Nun bin ich also wieder zurück von den Fer--, ehm von der Arbeit ausserhalb von Tana. Wobei man sagen kann, dass die Zeit in Tamatave wirklich fast wie Ferien war, allerdings nur sehr kurze. Vorletzten Donnerstag sind wir dorthin gefahren und am Freitag schon wieder zurück. Glücklicherweise haben meine Kollegen mit dem Zoll schon alles geregelt und so konnten wir am Freitag Nachmittag die Rückreise antreten (natürlich mit den Sachen, die wir abholen sollten). Durch das Herumfahren in Tamatave habe ich auch recht viel von der Stadt gesehen. Ich muss sagen, meine Wunsch-Ferien-Destination Nummer eins ist es nicht :-) Aber es war trotzdem mal interessant, dort gewesen zu sein. Vor allem den grossen Hafen zu sehen - zwar nur von weitem - war eindrücklich.

Danach war ich nicht sehr lange zu Hause - von Samstag Morgen um 2 Uhr bis Sonntag Vormittag um 10 Uhr - dann ging es schon ab auf den nächsten Trip. Und zwar wie schon berichtet nach Ambositra, wo wir eine bestehende Landebahn wieder in Schuss bringen mussten. Aber dazu am besten ein paar Bilder (da Martin eine Digitalkamera dabei hatte, kann ich heute mal verschwenderisch viele Bilder hochladen :-):

Der Arbeitsweg war ziemlich lange. Da die Landebahn etwa 20 km ausserhalb von Ambositra liegt und die Strassen nicht sehr gut sind, brauchten wir pro Weg ca. 45 min.

Hier soll die Piste sein: bedeckt von Gras, Fahrrinnen und weiter hinten Sträuchern. Unsere Aufgabe: Rasen mähen, Sträucher schneiden und Löcher füllen.

Als wir den Rasenmäher das erste mal gestartet haben, waren die Kinder ziemlich aus dem Häuschen. Verständlich, haben sie so etwas doch noch nie gesehen. Zum Glück mussten wir nicht den ganzen Rasen von Hand mähen, das wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.

Die letzten 200 der knapp 700 Meter langen Piste waren wegen den vielen Sträuchern die mühsamsten. Zum Glück hatten wir tatkräftige Unterstützung von einer anderen Organisation.

Noch ein paar Löcher füllen...

... einen Windsack montieren für unsere Piloten...

... und landebereit wäre die Piste.

Unser madagassische Kollege Michel hat eine Bekannte von sich - welche in Ambositra lebt - als Köchin engagiert.

Das Essen war immer fantastisch.

Wir hatten eine Riesengaudi mit den Kindern. Sie sind immer dem Auto hinterhergerannt und raufgesprungen. So macht die Arbeit doch sofort viel mehr Spass. Schon eindrücklich: Anfang Woche sind die Kinder weggelaufen, sobald wir uns ihnen auch nur zwei Schritte genähert haben (es wurde uns gesagt, dass sie zum Teil noch nie Weisse gesehen hätten). Ende Woche war es das komplette Gegenteil. Anscheinend haben wir drei Weissen einen guten Eindruck hinterlassen :-).

Dr. med. Matthias bei der Arbeit. Dazu die Vorgeschichte: am Morgen jenes Tages habe ich meine Hand an einem Kaktus gestochen. Diese ist dann ein bisschen geschwollen und hat beim Bewegen geschmerzt. Darum habe ich sie desinfiziert. Da sehe ich diesen Jungen komisch durch die Gegend laufen und frage ihn, ob er weh am Fuss hat. Er meinte ja und ich habe mir das mal angeschaut. Sah nicht allzu gut aus, eine recht grosse Wunde und natürlich voller Dreck. Nach langem hin und her (denn er hatte Angst), konnte ich ihn dazu bringen, sich von mir die Wunde reinigen, desinfizieren und verbinden zu lassen. Das Problem ist folgendes: die Kinder haben keine Schuhe, rennen rum, tun sich weh und haben dann keine Möglichkeit, die Wunde richtig zu behandeln. Und wenn sich die ganze Sache entzündet, kann es im schlimmsten Fall darauf hinauslaufen, dass der Fuss amputiert werden muss (das sage ich jetzt nicht einfach so, das wurde mir von jemandem erzählt, der solche Sachen schon viel erlebt hat).

Martin, einer der neuen Freiwilligen aus Deutschland, bei einem recht gut gelungenen Selbstportrait mit den Kindern.

Zum Schluss noch ein Gruppenfoto. Von links: Michel, dann ein komischer Typ, dessen Name ich nicht mehr weiss, John und Martin. Die Kinder kenne ich leider nicht beim Namen. Das Bild hat übrigens ein Madagasse geschossen, der uns sehr bei der Arbeit geholfen hat. Ich denke, es war das erste mal, dass er eine Kamera bedient hat, hat es aber ganz gut hingekriegt.

So, Schluss für heute. Diesen Mittwoch kommt Mänu, dann gehts ab in die Ferien.

Bis dann.

Matthias

Donnerstag, 10. September 2009

Hats also doch noch geklappt

So, nach wochenlangem Warten hat es nun mit Tamatave doch noch geklappt. Wir werden heute morgen losfahren und am Nachmittag dort ankommen. Wann wir zurückkehren, weiss ich nicht genau, entweder am Freitag oder Samstag. Je nachdem, wie wir dort unten vorwärts kommen.

Nächste Woche werde ich dann nach Ambositra fahren. Das ist ein kleines Städtchen zwischen Antsirabe und Fianarantsoa. Dort werden wir eine bestehende Landebahn wieder in Schuss bringen. Das heisst, Gestrüpp schneiden und Löcher auffüllen. Dies sollte allerdings in ungefähr fünf Tagen gemacht sein. Dann bin ich selbstverständlich für meine Ferien wieder zurück :-)

Gestern Abend habe ich Rösti zubereitet, was noch relativ schwierig ist mit einer Bratpfanne ohne gute Beschichtung und auf einem Feuer, wo man die Temperatur nicht regulieren kann. Das Endresultat war aber alles andere als schlecht und darum eine geglückte Aktion.

Lydie hat gesagt, dass sie von Kartoffeln langsam aber sicher genug hat, weil sie in letzter Zeit zu viele davon gegessen habe (ihre Abneigung hat also nichts mit meiner Rösti zu tun ;-). Ich hab sie dann gefragt, wie es mit dem Reis stehe, weil den isst sie ja auch immer (ich hab das als Witz gemeint, weil die Antwort kannte ich ja schon). Reis ist halt das Grundnahrungsmittel der Madagassen, von dem haben sie nie die Nase voll. Wohingegen Kartoffeln nur eine Beilage sind, von welcher man mit der Zeit schon genug kriegt...

So, das wars für heute, jetzt muss ich los, meine Sachen packen.

Bis zum nächsten mal.

Matthias

Mittwoch, 2. September 2009

Was grad so läuft

Nun war ich diese Woche noch immer nicht in Tamatave. Frage mich langsam, ob wir irgendwann mal gehen werden. Vielleicht morgen...
Sonst habe ich auf der Arbeit im Moment recht viel zu tun. Jakob und seine Familie kamen letztes Wochenende zurück und er hat mal wieder einen neuen Laptop, der installiert und konfiguriert werden muss. Natürlich wie immer noch mit einer Ladung Zusatzwünschen :-) Ist aber gut so, das macht die Sache interessant.
Benja, der Mann von Lydie, ist gestern nach einmonatiger Arbeit im Norden von Madagaskar nach Hause zurückgekehrt. Er war mehr oder weniger in der Region unterwegs, wo Mänu und ich Ende September hinreisen werden.

In Mahanoro: in diesem See wird gebadet, gefischt und gewaschen.

Gestern Abend war ich bei Jakob zum Grillen eingeladen. Als ich zu Hause ankam, stand die Türe meines Zimmers noch offen. Ich dachte so, da wird Luc (mit dem ich sonst das Zimmer teile) wohl heute nicht hier schlafen. Geh ich rein und da schlafen vier Leute im ausziehbaren Sofa neben meinem Bett :-). Verwandte von Lydie sind zu Besuch und im Haus ihrer Eltern hat es nicht genügend Betten, also wurden sie dort untergebracht, wo es Platz hat. Aber mich stört das nicht im Geringsten. Sonst hätte ich ja im Einzelzimmer "meiner" Villa bleiben können.

Ein Mädchen und...

... ein Baby in Andasibe. Kinder geben halt immer gute Motive ab...

Letzte Woche war eine Zahnpastatube leer und ich habe sie in den Abfalleimer geworfen. Als ich am Abend von der Arbeit nach Hause kam, sah ich die Tube auf einem Gestell. Als ich Lydie fragte, ob noch was drin wäre, antwortete sie nein, aber es sei halt ein Spielzeug für Rotsy. Ich habe mich fast ein bisschen geschämt, dass mir das nicht von selbst eingefallen ist. Und es wurde mir wieder mal bewusst, wie verwöhnt bei uns die Kinder (aber auch die Erwachsenen) eigentlich sind. Da haben sie Zimmer voller Spielzeug und langweilen sich trotzdem sehr oft. Hier beschäftigen sich die Kinder stundenlang mit Kleinigkeiten - sie haben ja auch keine andere Wahl. Allerdings denke ich nicht, dass sie hier deswegen ärmer dran sind als bei uns, im Gegenteil!

Eine Autowerkstatt - und wahrscheinlich reparieren sie hier so ziemlich alles - in Maevatanana, ein Dorf auf dem Weg nach Majunga.

Vor ein paar Wochen, als ich so durch die Reisfelder marschierte, hatte ich eine motivierende Begegnung. Und zwar kam ich an einem jungen Madagassen vorbei und wir haben uns gegrüsst. Das kurze Gespräch hat sich etwa so abgespielt:

Er: Bonj---. (weiter kam er aber nicht, weil ich fast gleichzeitig auf madagassisch gegrüsst habe).
Ich: Guten Tag.
Er: Guten Tag. Ah, du sprichst madagassisch.
Ich: Nur ein bisschen, ich lerne immer noch.
Er: Ganz stark!

Ich meine es war zwar purer Zufall, dass ich alles verstanden habe, denn das meiste verstehe ich immer noch nicht. Was aber schön ist, der Typ hat sich echt gefreut, dass ich seine Sprache lerne. Und das motiviert natürlich, immer weiterzumachen und nicht verzweifelt aufzugeben.

Ein wie immer gut beladenes Taxi-Be. Die Busse - meist kleine Mazda - für längere Strecken werden Taxi-Brousse genannt. Jene in der Stadt oder für kürzere Strecken - wie das hier auf dem Bild - Taxi-Be (wenn an ein Wort "be" angehängt wird, bedeutet das eine Steigerung. Hier "be" weil es ein grosses Taxi ist).

Heute Abend kommen drei Deutsche Freiwillige an, die muss ich am Flughafen abholen. Davor spielen wir noch bei Adam Karten (dort wo ich vorher gewohnt habe, er ist jetzt zurück für die Wartung des Flugzeuges). Und sonst gibt es eigentlich nicht viel Neues.

Bis dann

Matthias

Freitag, 28. August 2009

Von Gendarmen, Digicams und gerupften Hühnern

Diese Woche ist eigentlich nicht besonders viel passiert. Am Nennenswertesten ist fast das, was eben nicht passiert ist. Und zwar hätten wir einen coolen Ausflug nach Tamatave an der Ostküste machen können/sollen. Dort ist nämlich per Frachter der Container des neuen MAF Chefs eingetroffen (Jakob und seine Familie gehen im Dezember nach Deutschland zurück). Im Container befinden sich ein Auto und sonstige Gegenstände der Familie. Darum wollten wir mit einem leeren Auto runter- und dann mit zwei vollen Autos wieder zurückfahren. Wie so oft hier in Madagaskar - eigentlich sollte es mich ja schon lange nicht mehr erstaunen - dauerte der Papierkram viel länger als geplant. Darum fahren wir also erst nächsten Dienstag oder Mittwoch für zwei Tage nach Tamatave.

Ein Fischer bei der Arbeit in Mananjary.

Jetzt auch noch einige mehr oder weniger nennenswerte Sachen, welche tatsächlich passiert sind. Am Mittwoch ist eine Reisegruppe von Südafrika kommend hier in Tana gelandet, um dann gleich nach Île Sainte Marie weiterzufliegen. Da einer meiner Kollegen etwas bei sich hatte, was er dieser Gruppe mitgeben musste und da er kein madagassisch oder französisch spricht, habe ich ihn begleitet. Meine schlaue Idee war, die Leute gleich am Flugzeug abzufangen, damit wir nicht warten mussten, bis sie durch den Zoll und alles sind (ausserdem war ich mir nicht sicher, ob sie nicht direkt umsteigen würden). Ich also meinen Badge montiert (denn tatsächlich darf ich in diesen Bereich, warum auch immer) und los sind wir. Dort war auch ein Wachmann, welcher uns passieren liess. Soweit so gut. Bis wir dann aber beim Flugzeug angekommen sind wurden wir von mehreren Arbeitern angehalten, welche sich beschwert haben, dass wir keine Leuchtweste trugen (aha, gut zu wissen dass man das braucht, vor allem nachdem man kontrolliert wurde). Der eine hat dann noch etwas von mangelnder Disziplin gemurmelt und gesagt, wir sollen ins Büro der Gendarmerie gehen. Gesagt, getan. Dort mussten wir uns dann eine Predigt in madagassisch anhören, von welcher ich mehr als die Hälfte nicht verstanden habe (der Trick: zwischendurch nicken und so tun als hätte man alles begriffen). Langer Rede kurzer Sinn: Leuchtweste tragen, bevor man auf das Rollfeld geht.

Auf der Zugfahrt von Fianarantsoa nach Manakara.

Eine Bitte: falls jemand eine alte Digitalkamera bei sich herumstehen hat und sie nicht mehr braucht, ich kenne ein paar dankbare Abnehmer. Ein Freund von mir kommt am 23. September nach Madagaskar in die Ferien und der könnte die wahrscheinlich mitnehmen. Das gleiche gilt für einen alten Laptop, was vielleicht schon schwieriger ist, aber ich erwähne es trotzdem. Also bitte bei mir melden!

Ein Pousse-Pousse Fahrer auf der Suche nach Arbeit, fotografiert in Mananjary.

Gestern gab es bei uns zu Hause Poulet. Natürlich kann man das auch schon geschlachtet auf dem Markt kaufen. Bei uns gibt es aber das Geflügel meist frisch vom Hof. Ich finde, es ist noch interessant, wenn man das Tier von A bis Z selber zubereiten muss. Ich habe es zwar nicht selber geschlachtet und auch nicht ausgenommen. Und ich muss gestehen, gekocht habe ich es auch nicht. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich fast nichts gemacht, ausser beim Rupfen ein bisschen zu helfen. Was ich aber eigentlich sagen will, es ist halt anders, als bei uns im Coop oder der Migros ein Poulebrüstli z poschte (ein Spruch von Alistair (der Brite, mit dem ich ein paar mal in der Stadt war) und mir lautet: "Madagascar, it's different"). Zurück zum gerupften Huhn: gekocht wird natürlich fast alles, vom Kopf über den Hals bis hinunter zu den Beinen und auch gewisse Innereien. Ich bin ja was das Essen anbelangt nicht heikel, aber trotzdem nicht unglücklich, dass mir Lydie keinen Kopf oder Hühnerfuss in den Teller legt :-)

Im Taxi-B von Antsirabe nach Fianarantsoa.

Die Bilder stammen übrigens von der Reise, welche ich im Mai mit Tilman unternommen habe.

Schönes Wochenende

Matthias

Mittwoch, 19. August 2009

Allerlei Neuigkeiten

Die Aktuellen News in der Zusammenfassung:

Im Moment ist wieder ein Kollege hier in den Ferien, welcher im März nach langer Zeit in die Schweiz zurückgekehrt war. Erinnert ihr euch an die Hühnerfüsse? Das war auf seiner Abschiedsfeier :-) Er hat es allerdings nicht all zu lange zu Hause ausgehalten und ist jetzt wieder für einen Monat hier in Madagaskar. Zur Feier seiner Rückkehr waren wir letztes Wochenende am Abend zusammen in der Stadt und am Sonntag kam er zu uns nach Hause zum Mittagessen.

Das war Ende Mai, als ich mit Jakob und Patrick mit nach Tuléar durfte, Hier bei einer Zwischenlandung in Mitsinjo, wo wir den Arzt, welcher für die MAF die MMS (Madagascar Medical Safari) durchführt, abholten.

Mamiratra hat innerhalb einer Woche gelernt, ohne Stützräder Fahrrad zu fahren. Ich muss sagen, ich bin von dieser Fünfjährigen schwer beeindruckt, sie lernt schnell (ich weiss gar nicht mehr, in welchem Alter ich das lernte). Auch UNO kann sie schon spielen (nochmals merci Nicole ;-) und auf Englisch bis zehn zählen.

Auf der Rückfahrt von Mahanoro nach Tana. Das Kühlwasser war uns ausgelaufen und wir mussten mit wenig Werkzeug das Leck finden und beheben - was uns nach ca. 3 Stunden auch gelungen ist.

Diese Woche hatte ich die glorreiche Idee, Popcorn zu machen. Lydie kannte das noch gar nicht und darum hab ich mir gedacht, das wäre doch etwas. Leider sind dem Supermarkt die Körner ausgegangen, so muss ich das halt später einmal nachholen. Ich habe auch noch andere Ideen, was ich mal kochen könnte, zum Beispiel Häpperestock oder Rösti. In etwa einem Monat sind die Kartoffeln im Garten reif und dann kann ich diese Gerichte zubereiten. Oder mal eine Pizza bestellen wäre sicher auch cool. Diese Frauen arbeiten immer so viel, da kann ich gut auch mal etwas kochen oder liefern lassen.

Im Dörfchen Andasibe: Entlausen ist angesagt.

Letztes Wochenende habe ich zum ersten mal meine Wäsche von Hand gewaschen. Chrüzsackerment isch das a Chrampf! Drei Stunden lang jedes Wäschestück auf der Vorder-, Rück- und Innenseite bürsten und danach auswringen. Ich bin froh kommt langsam aber sicher wieder der Sommer zurück, dann kann ich mir wenigstens die Jeans, Pullover und Trainingsanzüge sparen. Einmal mehr bewundere ich die Frauen, die die Wäsche für sich, ihre Männer und Kinder waschen müssen.

Am Strand in Mananjary: die Kleine muss warten, bis ihre Kleider gewaschen und getrocknet sind.

Eigentlich hätte ich diese Woche wieder mal in den Busch nach Ampasinambo gehen sollen, um an der Landebahn weiter zu arbeiten. Da wir dort aber erst landen dürfen, sobald die Pistenmarkierungen angemalt sind und der Helikopter der Helimission nicht verfügbar ist, verzögert sich das ganze ein wenig. Das bedeutet also, dass ich vor Oktober nicht dorthin gehen werde, da Ende September ein Freund von mir hierher in die Ferien kommt. Zum Glück hat es aber noch andere Projekte, daher komme ich vielleicht trotzdem noch zu einem einwöchigen Einsatz im September. Würde mich auf jeden Fall wieder mal reizen, ein bisschen aus dem Büro rauszukommen und etwas anderes zu machen.

Herzliche Grüsse aus dem langsam aber sicher wieder wärmer werdenden Madagaskar.

Matthias

Mittwoch, 12. August 2009

Fondueplausch

Kann sich das jemand vorstellen? Ein moitié-moitié Fondue hier in Madagaskar! Und nicht einfach irgendeines: eine Vacherin-Gruyère Mischung aus dem geliebten Freiburgerland. Patrick hat den Käse mitgebracht und dann haben wir zwei ein Fondue für unsere madagassischen Kollegen zubereitet. Für die meisten - wenn nicht sogar für alle - war es natürlich das erste Fondue überhaupt. Und es hat ihnen sichtlich geschmeckt.

Der Experte (ehm na ja...) bei der Arbeit.

Experte Nummer zwei, mit Arbeitskolleginnen.

Ein Kollege hat zu diesem Anlass ein schweizer Fussballtrikot angezogen.

Letztes Wochenende war recht gut. Am Freitag Abend waren der Brite und ich wie gesagt seit langem wieder mal in der Stadt. Das Konzert und die Stimmung waren super. Am Samstag Vormittag habe ich Mamiratras Fahrrad repariert. Der vordere Pneu hatte sage und schreibe drei Löcher. Jetzt kann sie lernen, ohne Stützräder zu fahren. Am Abend waren wir mit ein paar Arbeitskollegen an einem anderen Konzert. Es war zwar nicht schlecht, aber das Eintrittsgeld doch nicht ganz wert. Danach gingen wir noch in eine Disco, die leider auch nicht so gut besucht war. Eher ein durchzogener Abend... Am Sonntag Nachmittag waren wir in der Stadt im Zoo, Lolonia, Mamiratra, Luc und ich. Schon krass, als Ausländer ist der Eintritt 25x höher als für die Madagassen! Tja, "di nämes vo de Läbige".

Letztes Wochenende war auch daher besonders, dass ich nun endlich jede Verbindung zum "zivilisierten" Leben gekappt habe :-) Vorher war es so, dass ich immer in mein altes Heim zurück musste, um die Hunde zu füttern, weil zu dieser Zeit niemand dort wohnte. Dann habe ich die Gelegenheit manchmal beim Schopf gepackt, um eine warme Dusche zu nehmen und meine Wäsche zu waschen. Jetzt sind dort wieder Leute drin und ich konnte meinen Schlüssel abgeben. Ist schon schön, wenn man am Abend nach Hause kommt und nicht wieder weg muss um noch etwas zu erledigen. Baden mit kaltem Wasser vom Brunnen bin ich mir ja schon gewöhnt, jetzt geht es halt noch einen Schritt weiter, indem ich auch meine Wäsche von Hand waschen muss.
Wer jetzt denkt, dass mich die Würmer, Parasiten und andere Bazillen geradezu auffressen werden: Wasser kann man kochen und Waschmittel gibt es sogar hier... (das alles nur, um jeder Art von Ist-Das-Denn-Nicht-Gefährlich-Für-Dich-Und-Deine-Gesundheit-Fragerei vorzubeugen :-).

Bis bald "u häbets guet"

Matthias

Mittwoch, 5. August 2009

War auch langsam Zeit...

... dass ich euch Photos von meinem neuen Zuhause zeige. Es sind zwar im Moment nur eine Handvoll, - ich werde sicher noch mehr schiessen - aber für den Anfang ist das ja schon mal was.

Das ist Play, mein vorheriger Zimmergenosse, Madagassischlehrer und Freund. Hier beim Dominospiel in Mahanoro.

Das Haus, in dem ich jetzt seit mehreren Wochen glücklich und zufrieden wohne.

Das ist Lidy, Plays Schwester, beim Waschen. Sie ist 22 Jahre jung, hat ein Kind, schmeisst den ganzen Haushalt und ist immer gut gelaunt. Ich mag und bewundere sie sehr.

Links Rotsy (Rutsi ausgesprochen) und rechts Mamiratra (Mamiradscha ausgesprochen). Rotsy ist die Tochter von Lidy und Benja. Mamiratra ist die Tochter von Benjas Schwester Lolona.

Und hier die zwei nochmals...

... im Grossformat.

In letzter Zeit spielen wir viel UNO (merci Nicole), da haben sie wirklich sehr Freude dran. Sonst lief eigentlich nicht sehr viel. Letzten Samstag war ich mit zwei neuen Volontären in der Stadt bei einem Arbeitskollegen zum Mittagessen und am Sonntag bei der Mutter eines Kollegen zur Geburtstagsfeier (die gehören zur gleichen Familie wo ich jetzt wohne, darum war ich dort auch eingeladen...).
Dieses Wochenende werden wir seit langem am Abend wieder mal in die Stadt gehen, in irgendeine Bar, wo eine Band spielt. Der eine Freiwillige ist Brite und der ist für ein Bier oder zwei gerne zu haben :-)
Tja, nachdem mein Besuch wieder zu Hause ist, kehrt auch bei mir wieder ein bisschen der Alltag ein.

Ciao

Matthias