Freitag, 28. August 2009

Von Gendarmen, Digicams und gerupften Hühnern

Diese Woche ist eigentlich nicht besonders viel passiert. Am Nennenswertesten ist fast das, was eben nicht passiert ist. Und zwar hätten wir einen coolen Ausflug nach Tamatave an der Ostküste machen können/sollen. Dort ist nämlich per Frachter der Container des neuen MAF Chefs eingetroffen (Jakob und seine Familie gehen im Dezember nach Deutschland zurück). Im Container befinden sich ein Auto und sonstige Gegenstände der Familie. Darum wollten wir mit einem leeren Auto runter- und dann mit zwei vollen Autos wieder zurückfahren. Wie so oft hier in Madagaskar - eigentlich sollte es mich ja schon lange nicht mehr erstaunen - dauerte der Papierkram viel länger als geplant. Darum fahren wir also erst nächsten Dienstag oder Mittwoch für zwei Tage nach Tamatave.

Ein Fischer bei der Arbeit in Mananjary.

Jetzt auch noch einige mehr oder weniger nennenswerte Sachen, welche tatsächlich passiert sind. Am Mittwoch ist eine Reisegruppe von Südafrika kommend hier in Tana gelandet, um dann gleich nach Île Sainte Marie weiterzufliegen. Da einer meiner Kollegen etwas bei sich hatte, was er dieser Gruppe mitgeben musste und da er kein madagassisch oder französisch spricht, habe ich ihn begleitet. Meine schlaue Idee war, die Leute gleich am Flugzeug abzufangen, damit wir nicht warten mussten, bis sie durch den Zoll und alles sind (ausserdem war ich mir nicht sicher, ob sie nicht direkt umsteigen würden). Ich also meinen Badge montiert (denn tatsächlich darf ich in diesen Bereich, warum auch immer) und los sind wir. Dort war auch ein Wachmann, welcher uns passieren liess. Soweit so gut. Bis wir dann aber beim Flugzeug angekommen sind wurden wir von mehreren Arbeitern angehalten, welche sich beschwert haben, dass wir keine Leuchtweste trugen (aha, gut zu wissen dass man das braucht, vor allem nachdem man kontrolliert wurde). Der eine hat dann noch etwas von mangelnder Disziplin gemurmelt und gesagt, wir sollen ins Büro der Gendarmerie gehen. Gesagt, getan. Dort mussten wir uns dann eine Predigt in madagassisch anhören, von welcher ich mehr als die Hälfte nicht verstanden habe (der Trick: zwischendurch nicken und so tun als hätte man alles begriffen). Langer Rede kurzer Sinn: Leuchtweste tragen, bevor man auf das Rollfeld geht.

Auf der Zugfahrt von Fianarantsoa nach Manakara.

Eine Bitte: falls jemand eine alte Digitalkamera bei sich herumstehen hat und sie nicht mehr braucht, ich kenne ein paar dankbare Abnehmer. Ein Freund von mir kommt am 23. September nach Madagaskar in die Ferien und der könnte die wahrscheinlich mitnehmen. Das gleiche gilt für einen alten Laptop, was vielleicht schon schwieriger ist, aber ich erwähne es trotzdem. Also bitte bei mir melden!

Ein Pousse-Pousse Fahrer auf der Suche nach Arbeit, fotografiert in Mananjary.

Gestern gab es bei uns zu Hause Poulet. Natürlich kann man das auch schon geschlachtet auf dem Markt kaufen. Bei uns gibt es aber das Geflügel meist frisch vom Hof. Ich finde, es ist noch interessant, wenn man das Tier von A bis Z selber zubereiten muss. Ich habe es zwar nicht selber geschlachtet und auch nicht ausgenommen. Und ich muss gestehen, gekocht habe ich es auch nicht. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich fast nichts gemacht, ausser beim Rupfen ein bisschen zu helfen. Was ich aber eigentlich sagen will, es ist halt anders, als bei uns im Coop oder der Migros ein Poulebrüstli z poschte (ein Spruch von Alistair (der Brite, mit dem ich ein paar mal in der Stadt war) und mir lautet: "Madagascar, it's different"). Zurück zum gerupften Huhn: gekocht wird natürlich fast alles, vom Kopf über den Hals bis hinunter zu den Beinen und auch gewisse Innereien. Ich bin ja was das Essen anbelangt nicht heikel, aber trotzdem nicht unglücklich, dass mir Lydie keinen Kopf oder Hühnerfuss in den Teller legt :-)

Im Taxi-B von Antsirabe nach Fianarantsoa.

Die Bilder stammen übrigens von der Reise, welche ich im Mai mit Tilman unternommen habe.

Schönes Wochenende

Matthias

Mittwoch, 19. August 2009

Allerlei Neuigkeiten

Die Aktuellen News in der Zusammenfassung:

Im Moment ist wieder ein Kollege hier in den Ferien, welcher im März nach langer Zeit in die Schweiz zurückgekehrt war. Erinnert ihr euch an die Hühnerfüsse? Das war auf seiner Abschiedsfeier :-) Er hat es allerdings nicht all zu lange zu Hause ausgehalten und ist jetzt wieder für einen Monat hier in Madagaskar. Zur Feier seiner Rückkehr waren wir letztes Wochenende am Abend zusammen in der Stadt und am Sonntag kam er zu uns nach Hause zum Mittagessen.

Das war Ende Mai, als ich mit Jakob und Patrick mit nach Tuléar durfte, Hier bei einer Zwischenlandung in Mitsinjo, wo wir den Arzt, welcher für die MAF die MMS (Madagascar Medical Safari) durchführt, abholten.

Mamiratra hat innerhalb einer Woche gelernt, ohne Stützräder Fahrrad zu fahren. Ich muss sagen, ich bin von dieser Fünfjährigen schwer beeindruckt, sie lernt schnell (ich weiss gar nicht mehr, in welchem Alter ich das lernte). Auch UNO kann sie schon spielen (nochmals merci Nicole ;-) und auf Englisch bis zehn zählen.

Auf der Rückfahrt von Mahanoro nach Tana. Das Kühlwasser war uns ausgelaufen und wir mussten mit wenig Werkzeug das Leck finden und beheben - was uns nach ca. 3 Stunden auch gelungen ist.

Diese Woche hatte ich die glorreiche Idee, Popcorn zu machen. Lydie kannte das noch gar nicht und darum hab ich mir gedacht, das wäre doch etwas. Leider sind dem Supermarkt die Körner ausgegangen, so muss ich das halt später einmal nachholen. Ich habe auch noch andere Ideen, was ich mal kochen könnte, zum Beispiel Häpperestock oder Rösti. In etwa einem Monat sind die Kartoffeln im Garten reif und dann kann ich diese Gerichte zubereiten. Oder mal eine Pizza bestellen wäre sicher auch cool. Diese Frauen arbeiten immer so viel, da kann ich gut auch mal etwas kochen oder liefern lassen.

Im Dörfchen Andasibe: Entlausen ist angesagt.

Letztes Wochenende habe ich zum ersten mal meine Wäsche von Hand gewaschen. Chrüzsackerment isch das a Chrampf! Drei Stunden lang jedes Wäschestück auf der Vorder-, Rück- und Innenseite bürsten und danach auswringen. Ich bin froh kommt langsam aber sicher wieder der Sommer zurück, dann kann ich mir wenigstens die Jeans, Pullover und Trainingsanzüge sparen. Einmal mehr bewundere ich die Frauen, die die Wäsche für sich, ihre Männer und Kinder waschen müssen.

Am Strand in Mananjary: die Kleine muss warten, bis ihre Kleider gewaschen und getrocknet sind.

Eigentlich hätte ich diese Woche wieder mal in den Busch nach Ampasinambo gehen sollen, um an der Landebahn weiter zu arbeiten. Da wir dort aber erst landen dürfen, sobald die Pistenmarkierungen angemalt sind und der Helikopter der Helimission nicht verfügbar ist, verzögert sich das ganze ein wenig. Das bedeutet also, dass ich vor Oktober nicht dorthin gehen werde, da Ende September ein Freund von mir hierher in die Ferien kommt. Zum Glück hat es aber noch andere Projekte, daher komme ich vielleicht trotzdem noch zu einem einwöchigen Einsatz im September. Würde mich auf jeden Fall wieder mal reizen, ein bisschen aus dem Büro rauszukommen und etwas anderes zu machen.

Herzliche Grüsse aus dem langsam aber sicher wieder wärmer werdenden Madagaskar.

Matthias

Mittwoch, 12. August 2009

Fondueplausch

Kann sich das jemand vorstellen? Ein moitié-moitié Fondue hier in Madagaskar! Und nicht einfach irgendeines: eine Vacherin-Gruyère Mischung aus dem geliebten Freiburgerland. Patrick hat den Käse mitgebracht und dann haben wir zwei ein Fondue für unsere madagassischen Kollegen zubereitet. Für die meisten - wenn nicht sogar für alle - war es natürlich das erste Fondue überhaupt. Und es hat ihnen sichtlich geschmeckt.

Der Experte (ehm na ja...) bei der Arbeit.

Experte Nummer zwei, mit Arbeitskolleginnen.

Ein Kollege hat zu diesem Anlass ein schweizer Fussballtrikot angezogen.

Letztes Wochenende war recht gut. Am Freitag Abend waren der Brite und ich wie gesagt seit langem wieder mal in der Stadt. Das Konzert und die Stimmung waren super. Am Samstag Vormittag habe ich Mamiratras Fahrrad repariert. Der vordere Pneu hatte sage und schreibe drei Löcher. Jetzt kann sie lernen, ohne Stützräder zu fahren. Am Abend waren wir mit ein paar Arbeitskollegen an einem anderen Konzert. Es war zwar nicht schlecht, aber das Eintrittsgeld doch nicht ganz wert. Danach gingen wir noch in eine Disco, die leider auch nicht so gut besucht war. Eher ein durchzogener Abend... Am Sonntag Nachmittag waren wir in der Stadt im Zoo, Lolonia, Mamiratra, Luc und ich. Schon krass, als Ausländer ist der Eintritt 25x höher als für die Madagassen! Tja, "di nämes vo de Läbige".

Letztes Wochenende war auch daher besonders, dass ich nun endlich jede Verbindung zum "zivilisierten" Leben gekappt habe :-) Vorher war es so, dass ich immer in mein altes Heim zurück musste, um die Hunde zu füttern, weil zu dieser Zeit niemand dort wohnte. Dann habe ich die Gelegenheit manchmal beim Schopf gepackt, um eine warme Dusche zu nehmen und meine Wäsche zu waschen. Jetzt sind dort wieder Leute drin und ich konnte meinen Schlüssel abgeben. Ist schon schön, wenn man am Abend nach Hause kommt und nicht wieder weg muss um noch etwas zu erledigen. Baden mit kaltem Wasser vom Brunnen bin ich mir ja schon gewöhnt, jetzt geht es halt noch einen Schritt weiter, indem ich auch meine Wäsche von Hand waschen muss.
Wer jetzt denkt, dass mich die Würmer, Parasiten und andere Bazillen geradezu auffressen werden: Wasser kann man kochen und Waschmittel gibt es sogar hier... (das alles nur, um jeder Art von Ist-Das-Denn-Nicht-Gefährlich-Für-Dich-Und-Deine-Gesundheit-Fragerei vorzubeugen :-).

Bis bald "u häbets guet"

Matthias

Mittwoch, 5. August 2009

War auch langsam Zeit...

... dass ich euch Photos von meinem neuen Zuhause zeige. Es sind zwar im Moment nur eine Handvoll, - ich werde sicher noch mehr schiessen - aber für den Anfang ist das ja schon mal was.

Das ist Play, mein vorheriger Zimmergenosse, Madagassischlehrer und Freund. Hier beim Dominospiel in Mahanoro.

Das Haus, in dem ich jetzt seit mehreren Wochen glücklich und zufrieden wohne.

Das ist Lidy, Plays Schwester, beim Waschen. Sie ist 22 Jahre jung, hat ein Kind, schmeisst den ganzen Haushalt und ist immer gut gelaunt. Ich mag und bewundere sie sehr.

Links Rotsy (Rutsi ausgesprochen) und rechts Mamiratra (Mamiradscha ausgesprochen). Rotsy ist die Tochter von Lidy und Benja. Mamiratra ist die Tochter von Benjas Schwester Lolona.

Und hier die zwei nochmals...

... im Grossformat.

In letzter Zeit spielen wir viel UNO (merci Nicole), da haben sie wirklich sehr Freude dran. Sonst lief eigentlich nicht sehr viel. Letzten Samstag war ich mit zwei neuen Volontären in der Stadt bei einem Arbeitskollegen zum Mittagessen und am Sonntag bei der Mutter eines Kollegen zur Geburtstagsfeier (die gehören zur gleichen Familie wo ich jetzt wohne, darum war ich dort auch eingeladen...).
Dieses Wochenende werden wir seit langem am Abend wieder mal in die Stadt gehen, in irgendeine Bar, wo eine Band spielt. Der eine Freiwillige ist Brite und der ist für ein Bier oder zwei gerne zu haben :-)
Tja, nachdem mein Besuch wieder zu Hause ist, kehrt auch bei mir wieder ein bisschen der Alltag ein.

Ciao

Matthias

Dienstag, 28. Juli 2009

Dorthin wo's warm ist

Um der Kälte hier in Tana ein bisschen zu entfliehen, fuhren wir letzte Woche von Mittwoch bis Sonntag an die Küste nach Mahajanga (oder auch Majunga), eine Stadt nordwestlich von Tana. Da im Moment Winter herrscht hier in Madagaskar (ja, sogar eine Tropeninsel hat eine kalte Jahreszeit), sind die Temperaturen dort erträglich. Aber ehrlich, ich weiss nicht, wie man es dort im Sommer aushalten kann, denn schon jetzt ist die Luft ziemlich feucht und heiss.

Um nicht die ganze Strecke in einem Stück fahren zu müssen, haben wir in Maevatanana einen Zwischenstop gemacht. Das hatte den Vorteil, dass wir nie nachts gefahren sind und auch nicht zu lange pro Tag unterwegs waren. So kamen wir dann jeweils weniger müde am Ziel an und konnten erst noch die schöne Landschaft bewundern.

Auf der Fahrt nach Maevatanana, mit meinen zwei Besucherinnen. PS: keine blöden Kommentare über meine neue Frisur. Wenn man nur einen Brunnen zum Waschen hat ist so ein kurzer Haarschnitt wirklich praktisch :-)


Diese Bilder sind vom Anfang der Reise. Man sieht, es ist noch relativ hügelig, hier sind wir immer noch auf dem Hochplateau.

Dies ist Maevatanana, ein gemütliches kleines Dorf mit extrem freundlichen Leuten.

Um einem Parasitenbefall so gut wie möglich und mit einfachen Mitteln entgegenwirken zu können, ist es unausweichlich, auf die lokalen Produkte zurückzugreifen.

Was ganz sympathisch ist an Madagaskar: in jedem noch so kleinen Dörflein gibt es am Strassenrand kleine Läden, wo man Getränke und am Abend Fleischspiesse kaufen kann.

Die Landschaft wird flacher...

...

... und karger. Es geht Richtung Küste!

In Majunga hatten wir für die erste Nacht ein sehr schönes, aber auch ausschliesslich touristisches Hotel. Irgendwie ein komisches Gefühl, wenn man für eine einzige Übernachtung eineinhalb mal soviel bezahlt wie ein Madagasse pro Monat verdient.

Das war uns aber dann doch ein bisschen zu teuer (trotz dem schönen Pool). Darum sind wir für die zwei verbleibenden Nächte in dieses farbenfrohe madagassische Hotel umgezogen.

Die berühmte Sehenswürdigkeit in Mahajanga: ein 700 Jahre alter Baobab.

Zum Schutz vor der Sonne crèmen sich die Frauen ihre Gesichter mit einer Paste ein, welche aus gestampften Holz und Wasser besteht.

Eine sehr schöne Stelle in Majunga ist diese Promenade, "La Corniche" genannt. Abends flanieren dort immer sehr viele Leute entlang.

Ganz schön sind auch die Tische am Strassenrand, wo man sich hinsetzen kann und eine "Mamma" feines Essen zubereitet - Spiesse, Crêpes, Maniok, Bananen im Teig, etc...

Am Samstag haben wir eine Arbeitskollegin von mir getroffen (rechts im Bild) und waren dann zusammen unterwegs.

Um Zeit zu sparen, sind wir dann am Sonntag mit einem Air-Madagaskar Flug nach Tana zurückgeflogen. Es war wieder mal ein wunderbarer Ausflug. Was mich mehr und mehr fasziniert an diesem Land ist seine Vielfalt: da ist man am Meer an der Sonne und schwitzt wie Sau und eine Stunde später ist man im Hochland und friert sich den Arsch ab. Ausserdem werde ich je länger je mehr Fan von den Taxi-B. Man kommt wirklich fast überall hin mit diesen Dingern - und das sehr günstig. Und wenn man sich die vorderen Plätze reserviert, dann sogar recht bequem.

Morgen fliegt mein Besuch leider schon wieder in die Schweiz zurück - drei Wochen vergehen einfach viel zu schnell. Aber wir hatten eine super Zeit zusammen und dafür bin ich wirklich dankbar.

Übrigens habe ich heute meine Filme zum Entwickeln verschickt. Wenn also nichts schief geht werde ich schon recht bald die ersten Bilder von meinem neuen Zuhause zeigen können. Seid gespannt, seid seid gespannt.

So, das wars wieder mal.

Alles Gute euch allen.

Matthias

Montag, 13. Juli 2009

Ich habe Besuch!

Letzten Mittwoch sind Miga und Nicole hier in Madagaskar angekommen. Um ihnen schon mal einen ersten Eindruck vom Land zu vermitteln, sind wir von Donnerstag bis Sonntag in den Nationalpark von Andasibe-Mantadia gefahren. Es war einfach herrlich! Das Wetter spielte gut mit und wir haben viele Indris, Lemuren und andere Tiere gesehen. Schon nur das Spazieren durch den Regenwald war ein Erlebnis für sich.

Reisfelder und ein Teil von Andasibe

Donnerstag und Sonntag haben wir jeweils in den Taxi-Bussen verbracht, was eigentlich recht problemlos vonstatten ging - wenn man 7 und 5 Stunden Reisezeit für 150km als problemlos bezeichnen kann :-) Dies nur, um wieder mal zu verdeutlichen, dass das Reisen hier in Madagaskar nicht zu vergleichen ist mit Europa.

Vom Balkon unseres Hotels aus. Wir waren wirklich mitten im Dorf

Ein paar Rotznas..., ehm Kinder

Am Freitag waren haben wir eine fünfstündige Tour durch das Analamazaotra Reservat gemacht, welches Teil vom Andasibe-Mantadia Nationalpark ist.

Ein Indri und...

... Lemur im...

... Analamazaotra Reservat

Dann am Samstag waren wir im Mantadia Nationalpark. Um dorthin zu kommen, mussten wir zuerst eineinhalb Stunden Fahrt auf einer recht schlechten Strasse in einem alten Peugeot 205 über uns ergehen lassen. Dafür waren die zwei Tours, die wir machten, umso schöner. Im Gegensatz zum Analamazaotra Reservat ist dort nämlich noch alles Primärwald, also "unberührter" Wald ohne eingeführte Pflanzen- oder Tierarten.

Ein Bassin im Mantadia-Nationalpark

Um diese Wälder überhaupt besichtigen zu dürfen, muss man einen Führer engagieren - was auch gut ist, denn sonst kann man sich dort wirklich verirren! Wir haben einen sehr motivierten und netten Typen gefunden, der uns viel erklärt und gezeigt hat. So war das ganze ein super Erlebnis.

Und zum Schluss noch ein Bild von "zu Hause". Durch diese Reisfelder marschiere ich jeden Tag, um die Hunde im Gästehaus füttern zu gehen. Im Moment blühen sie sehr schön grün (die Reisfelder, nicht die Hunde :-).

Die Fotos kommen aus der Kamera von Miga. Übrigens benutzt auch Nicole eine alte Filmkamera - ich bin also gar nicht sooo ein Exot wie ihr vielleicht immer denkt :-)

Tschüss alle zusammen

Matthias

Montag, 6. Juli 2009

Abenteuerliche Rückfahrt von Mahanoro

Die Zeit in Mahanoro war wirklich super. Das Wetter war schön und warm und wir haben gefischt (ich habe leider nichts gefangen) und die Zeit genossen. Am Dienstag fuhren wir wieder nach Tana zurück. Geplant war, so um 10:00 morgens loszufahren und abends um 18:00 in Tana anzukommen. Aber natürlich, wie (fast) immer in Madagaskar, kam alles anders als geplant:

Der Helikopter kam später zurück als erwartet und so fuhren wir erst um 11:20 los. Zu allem Überfluss hatten wir dann auch noch ein Problem mit dem Auto, es hatte ein Leck und verlor darum das ganze Kühlwasser. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen hatten wir kaum Werkzeug und brauchten darum etwa 3 Stunden, um das Leck zu reparieren und Wasser nachzufüllen.
Die Fahrt ging dann aber recht zügig voran, bis wir an einen Lastwagenunfall kamen und dort wieder etwa eine Stunde warten mussten. In der Nacht auf der Strasse unterwegs zu sein ist zum Teil recht beängstigend, so kriminell wie manche Leute fahren. Es ist zum Beispiel vorgekommen, dass mir in einer Kurve (!!!) auf meiner Seite ein LKW entgegen kam, der einen anderen Laster überholt hat. Wie gesagt, manche spinnen echt.

Glücklicherweise kamen wir dann um 23:30 in Tana an, mit einer minimen Verspätung, aber wenigstens in einem Stück, was unter gegebenen Umständen wohl mehr war, als man erwarten konnte.

Letzte Woche war übrigens sehr kalt bei uns hier in Tana. Und mit kalt meine ich kalt, nämlich weniger als 10°C in der Nacht. Auch tagsüber muss man lange Kleidung tragen und im Büro habe ich sogar einen Ofen neben mir (den habe ich aber erst einmal gebraucht :-). Eines der Probleme ist, dass die Gebäude nur schlecht oder gar nicht isoliert sind. Wenn dann ein kalter Wind geht, dann friert man einfach sofort.

Also, bis dann.

Matthias

Donnerstag, 25. Juni 2009

Mein neues Heim

Nun ist es eine knappe Woche her, seit ich umgezogen bin. Ich habe gedacht, dass mir vielleicht vor allem am Anfang die Umstellung ein bisschen Mühe bereiten würde. Weit gefehlt! Ich wurde bestens aufgenommen und fühle mich sehr wohl. Anscheinend behagt mir das einfache Leben doch mehr als ich angenommen habe. Es wird mir keine Probleme bereiten, bis nächsten Januar dort zu bleiben.

Der Tagesablauf sieht etwa folgendermassen aus:
Um ungefähr 7 Uhr wird aufgestanden und dann gefrühstückt. Da gibt es Verschiedenes: manchmal Reste vom Vorabend, Baguette, meistens aber mofo gasy, also "madagassisches Brot". Dieses wird aus Reis gemacht. Dazu wird Reis mit Zucker oder Salz gemischt, kleine Kugeln geformt und dann glaube ich frittiert. Schmeckt lecker. Zu trinken gibt es Kaffee, Tee und Milch.
Am Wochenende kommen meistens Verwandte zum Mittagessen. Dann wird Lotto und Domino gespielt und natürlich auch die eine oder andere Flasche Rum getrunken.
Das Abendessen gibt es recht spät, erst so gegen 8 Uhr. Danach schauen wir meistens einen Film, wenn denn der Generator läuft und Benzin da ist, oder ich meinen Laptop dabei habe.

Diese Woche ist übrigens recht kurz, denn morgen ist der Nationalfeiertag. Darum arbeiten wir heute nur bis 2 Uhr und morgen haben wir frei. Am Samstag werde ich nach Mahanoro fahren. Aber nicht (nur) zum Vergnügen. Am Dienstag ist ein Helikopter dort in der Nähe und dann wird das Team in Ampasinambo ausgetauscht. Da von denjenigen, die aus Ampasinambo raus kommen, keiner den Führerschein hat, muss ich halt das Auto zurückfahren. Wir gehen aber schon am Samstag, damit wir am Sonntag und Montag im Meer fischen können :-) Ist auf jeden Fall eine angenehme Abwechslung zum Büroalltag.


Bis nächste Woche

Matthias

Freitag, 19. Juni 2009

Umzug

Fortsetzung vom vorletzten Eintrag:

Im vorletzten Eintrag habe ich vom Leben hier in Madagaskar erzählt und wie mir meine persönliche Situation eigentlich von Anfang an missfallen hat. Nicht, dass ich mich nicht wohl gefühlt hätte, absolut nicht! Es waren immer super Leute im Gästehaus und mit ihnen zusammen zu wohnen hat Spass gemacht. Aber wie gesagt, die Distanz zur madagassischen Kultur und dem Leben haben mich gestört. Darum habe ich mich entschlossen, zu einer madagassischen Familie zu ziehen.

Die Leute, das Haus und die ganze Umgebung haben mir schon gefallen, als ich im Januar zum ersten mal dort war. Zu dieser Zeit hat ein anderer Schweizer dort gewohnt und ich habe zu mir selbst gesagt: das ist es! Mittlerweile habe ich die Leute besser kennen gelernt und war auch öfters bei ihnen zu Besuch, zum Beispiel zum Mittagessen, oder an einem Sonntag Nachmittag zum Dominospielen. Morgen ist es also soweit, ich ziehe zu ihnen. Ich freue mich sehr, obwohl es schon eine Umstellung wird: kein fliessendes Wasser, Strom nur vom Generator, kein eigenes Zimmer. Aber gut, so kann ich mich wenigstens nicht über leere Warmwasserboiler, Stromausfall und Einsamkeit beklagen. Auf jeden Fall wird es sicher eine sehr interessante und lehrreiche Zeit.

Eine fixe Miete, wie wir das bei uns kennen, muss - oder müsste - ich nicht bezahlen. In der madagassichen Kultur ist es nicht so, dass von einem Gast Geld verlangt wird. Es ist eher so, dass der Gast dann zwischendurch etwas vom Markt kauft oder sonst irgendwie hilft. Es trägt jeder so gut er kann seinen Teil zum Zusammenleben bei. Ich finde das noch gut, denn so integriert man sich ins Familienleben und überlegt, was die Familie brauchen könnte, statt einfach wöchentlich Geld zu geben und damit hat es sich.

Sonst war eigentlich nicht sehr viel los. Letzten Samstag hatten wir eine Abschiedsfeier für Tilman, der heute wieder nach Deutschland zurück fliegt. So bin ich also für einen Monat der einzige Freiwillige bei der MAF.

Alles Gute

Matthias

PS: Ich weiss, ich weiss, es wären schon lange wieder mal ein paar Fotos fällig. Aber ich muss zuerst noch den Film zu Ende brauchen.

Bis dann

PPS: Nein, ich will wirklich keine Digitalkamera, ich bin total zufrieden mit meiner guten alten Filmkamera.

Nun aber Schluss mit Stuss.

Freitag, 12. Juni 2009

Wer hat noch nicht, wer will noch mal?

Die Fortsetzung des letzten Berichts wird unterbrochen für einen kurzen Zwischenbericht:

Und zwar möchte ich Euch einen bestimmten Teil der Arbeit der MAF näher bringen, nämlich die MMS (Madagascar Medical Safari). Bei diesem fortlaufenden Projekt geht es darum, die medizinische Versorgung von Leuten in abgelegenen Dörfern zu gewährleisten. Dazu wird ein freiwilliger Arzt von der MAF für mehrere Tage oder eine Woche in ein Dorf geflogen. Dort untersucht er so viele Patienten wie möglich und verschreibt ihnen wenn nötig Medikamente. Die Leute bezahlen einen für sie erschwinglichen Unkostenbeitrag, aber dieser deckt die Gesamtkosten natürlich bei Weitem nicht.

Ich finde, dies ist ein sehr schönes Projekt, da es den Leuten wirklich hilft und sogar Leben rettet. Dazu eine Geschichte: Als ich vor zwei Wochen mit nach Tuléar geflogen bin, haben wir in einem Dorf einen Arzt abgeholt, der dort auf einer MMS war. Zum Glück hatten wir noch Plätze frei, denn so konnten wir eine kranke Frau mitnehmen. Der Arzt meinte, dass sie die Fahrt auf dem Ochsenkarren bis nach Tuléar nicht überlebt hätte.

Falls also jemand interessiert daran ist, etwas für dieses Projekt zu spenden, dann soll er sich bei mir melden (matthias.spicher@bluewin.ch) und ich werde ihm die Bankverbindung zukommen lassen.

Ciao

Matthias

Freitag, 5. Juni 2009

Das Leben hier in Madagaskar

Viele Leute scheint es zu interessieren, wie es mit der Armut, oder allgemein mit der Lebenssituation der Menschen hier in Madagaskar aussieht und wie ich damit umgehe. Also versuche ich mal darüber zu schreiben, obwohl es zum Teil schwierig ist, sich über dieses Thema auszudrücken. Weil das was ich sehe und mitbekomme und für mich interpretiere, muss sich ja nicht unbedingt mit dem decken, was diese Menschen tagtäglich fühlen und erleben. Fragen wie "Sind die Menschen glücklich in Madagaskar?" versuche ich also gar nicht erst zu beantworten.

Im Grossen und Ganzen sind die Leute schon recht arm und die politische Situation, die viele Touristen fernhält, verschlimmert natürlich alles noch. Müll durchsuchende und bettelnde Kinder und Erwachsene gehören zum Alltag, wobei ich das Gefühl habe, dass dies in kleineren Dörfern wie Ampasinambo weniger ein Problem ist. Ich denke, wenn dort ein Kind verwaist, hat es entweder genug Verwandte im Dorf, oder eine andere Familie nimmt sich seiner an. In der Stadt hingegen sind viele auf sich allein gestellt. Aber es ist wie gesagt schwierig abzuschätzen, ob ein Kind jetzt bettelt, weil es keine Eltern mehr hat, oder weil es von den Eltern dazu gezwungen wird.

Die Familien, die ein Zuhause, genug zu Essen und eine Arbeit haben, leben in für uns sehr bescheidenen Verhältnissen. Kein Strom, kein fliessendes Wasser, was soviel heisst wie: kochen mit Kohle, waschen am Brunnen und die Wäsche von Hand. Dies trifft sicherlich nicht auf alle Familien zu, aber bei einer die ich kenne ist die Situation genau wie beschrieben. Das einzige was sie haben ist ein Generator, der eingeschaltet wird um Musik zu hören oder Fernseher zu schauen. Das Wasser muss man aus dem Brunnen schöpfen. Sie sind sicher nicht arm, leben aber in einfachen Verhältnissen. Wenn keine Wasserrohre oder Stromkabel zum Haus führen, hat man halt keine andere Wahl.
Die Madagassen essen dreimal täglich Reis, als Beilagen gibts Gemüse und bei denen, die es sich leisten können, Fleisch. Die Beilagen kommen entweder aus dem eigenen Garten und Stall, oder vom Markt. Zum Dessert oder für zwischendurch gibt es Früchte, welche je nach Saison variieren und manchmal was Süsses aus dem Laden.

Nun zur Frage, wie ich damit zurechtkomme. An das Bild bettelnder Leute gewöhnt man sich, was allerdings nicht heisst, dass es mir gleichgültig geworden ist! Das Problem ist, dass man nicht allzuviel dagegen unternehmen kann. Klar, man kann ihnen Geld oder etwas zu Essen geben, aber am nächsten Tag haben sie wieder die gleichen Sorgen. Oder man spendet einer wohltätigen Organisation etwas Geld, somit lindert man wenigstens das Leid einiger Personen. Aber solange die Regierung nichts dagegen unternimmt, bleibt das Problem bestehen. Das ist das Traurige an vielen Ländern Afrikas: die Präsidenten und Minister wollen sich und ihre Familien bereichern, solange sie im Amt sind und das Volk - ihr Volk! - geht dabei vor die Hunde.

Was das einfache Leben betrifft, dazu muss ich ein bisschen ausholen: es ist so, dass die internationalen Arbeiter und Freiwilligen der MAF in schönen Häusern mit fliessendem Wasser, Strom, Putzfrau, Gärtner und allem Drum und Dran wohnen. Überspitzt gesagt, hier in Madagaskar wohne ich besser als jeder Durchschnittsschweizer. Wer hat denn schon eine Putzfrau oder einen Gärtner zu Hause? Aber natürlich ist es daheim immer noch am schönsten :-).
Zurück zum Thema: nennt mich einen Spinner, aber ich habe eher Mühe mit diesem protzigen als mit dem einfachen Leben. Stellt euch vor, ihr lebt in einem Haus mit Gittern vor den Fenstern, einem Zaun ums Haus und einer Mauer ums Quartier, welches von Wächtern bewacht wird. Dann nehmt ihr das Auto, um zur Arbeit und zurück zu fahren und am Ende des Tages fragt ihr euch, wie viel ihr heute eigentlich von der madagassischen Kultur mitbekommen habt und müsst euch eingestehen, dass das Erlebte gegen Null geht. Ist doch deprimierend, oder nicht? Bin ich denn in dieses Land gekommen, um so zu leben wie zu Hause? Nein, denn dann hätte ich genau so gut dort bleiben können.
Dies ist etwas, was mich von Anfang an gestört hat und ich habe schon früh beschlossen, dass ich nicht das ganze Jahr so verbringen werde. Mehr dazu aber im nächsten Bericht, sonst gehen mir plötzlich noch die Stories aus :-).

Fortsetzung folgt...

Freitag, 29. Mai 2009

Ferien

Es hat also tatsächlich geklappt mit der Reise. Am Sonntag, 17. Mai sind wir los und am Dienstag, 26. Mai war ich wieder zurück. Die Reiseroute war Tana -> Antsirabe -> Fianarantsoa -> Manakara -> Mananjary -> Nosy-Varika -> Tana.


Tana - Antsirabe
Am Sonntag wollten wir die kurze Fahrt - ca. 3 Stunden - von Tana nach Antsirabe hinter uns bringen. Das hat alles ganz gut geklappt. Wir kamen am Busbahnhof an und dort stand auch prompt schon ein Taxi-B mit zwei freien Sitzplätzen zur Abfahrt bereit. Der Fahrpreis schien in Ordnung, nachdem was mir ein madagassischer Arbeitskollege gesagt hat. Ein bisschen suspekt war mir allerdings, dass wir für unser Gepäck auf dem Dach auch eine Gebühr bezahlen mussten. Unser "Sitzplatz" - wenn man das denn so nennen kann - war auch nicht der bequemste. Wir mussten nämlich in der freien Lücke zwischen zwei Sitzen Platz nehmen, auf zwei Eisenstangen sozusagen. Das kommt halt davon, wenn man in der ganzen Hektik die Fahrt bezahlt, ohne zuerst ins Taxi-B zu schauen. Aber zum Glück war die Fahrt nicht so lange und so mussten wir auch nicht auf das nächste Taxi-B warten.
Wie mir allerdings eine Mitfahrerin gesagt hat, wurden wir ziemlich abgezockt. Erstens haben wir für die Fahrt zu viel bezahlt und ausserdem müsste man für das Gepäck normalerweise nichts zusätzlich bezahlen.

Lektion Nummer 1: vor dem Bezahlen sich über die freien Sitzplätze erkundigen.
Lektion Nummer 2: vor dem Bezahlen einen anderen Mitreisenden nach dem wirklichen Preis fragen.

Antsirabe - Fianarantsoa
Mit der Abzocke noch nicht genug. In Antsirabe hat uns ein Typ gesagt, dass er am nächsten Tag nach Fianarantsoa fahren würde. Da wir nicht wieder solche schlechten Sitzplätze haben wollten, reservierten wir zwei Plätze und mussten dafür natürlich eine kleine Anzahlung machen. Am nächsten Tag war von dem Typen bei der Busstation natürlich keine Spur. Da haben wir dann auch erfahren, dass man Reservationen beim dafür zuständigen Kassenhäuschen machen muss und da auch eine Quittung erhält.
Da haben wir es also tatsächlich vollbracht, uns innerhalb von 12 Stunden wie absolute Grünschnäbel ausnehmen zu lassen. Es waren zwar nur kleine Beträge die niemandem weh tun, aber es wurmt einen halt trotzdem.

Lektion Nummer 3: Plätze für das Taxi-B nur bei der zuständigen Kasse reservieren und wenn nötig eine Quittung verlangen.


Fianarantsoa - Manakara

In Fianarantsoa waren wir in einem gemütlichen kleinen Hotel. Ein Wächter des Hotels hat uns angeboten, für uns die Zugbillets zu kaufen. Da man die Plätze nicht reservieren kann, hätten wir sehr früh am Dienstag Morgen am Bahnhof sein müssen. Jetzt die grosse Frage: Nachdem man am ersten Tag der Reise schon zweimal gelinkt wurde, drückt man am zweiten Tag einem Typen den ganzen Kaufpreis der Billetts in die Hand oder nicht? Wir haben das aber dann gemacht und wurden auch nicht enttäuscht. Darum:

Lektion Nummer 4: Traue den Hotelangestellten, denn sie wollen nur dein Bestes.


Die Zugfahrt selbst war der absolute Oberhammer! Wir sind natürlich 2. Klasse gefahren. Nicht um Geld zu sparen, sondern um mit den ganzen Madagassen zusammen zu sitzen. In der 1. Klasse fahren vor allem Touristen - und obwohl ich nur ein Jahr hier bin, bezeichne ich mich nicht als Tourist. Natürlich bin ich auch kein Madagasse, möchte aber so viel wie möglich vom Land und der Kultur mitbekommen, darum zweite und nicht erste Klasse. Daher waren wir die einzigen vazaha, also Ausländer/Fremde/Weisse in dem Wagon, was ganz lustig ist. So kommt man schnell mal mit den Madagassen ins Gespräch - und das obwohl ich kaum madagassisch spreche und sie zum Teil kein französisch.


Der Zug hält dann an vielen kleineren Dörfern an, wo Frauen und Kinder ihre Sachen verkaufen - Früchte, Fisch, Gebäck, etc. Dort kann man je nach Länge der Haltes kurz Aussteigen oder einfach vom Fenster aus etwas feines kaufen. In einem Dorf haben sie anscheinend dermassen viele Mandarinen, dass ich einem Mädchen einen Bund von 21 Mandarinen für umgerechnet 5 Rappen abkaufen konnte - und das, ohne märten zu müssen. Ich war wirklich überrascht, wie billig die Sachen zum Teil sind.


Die Kinder sind auch immer sehr froh über Geschenke wie Kleider, Stifte oder leere PET Flaschen. Geld würden sie natürlich auch nehmen, aber das gebe ich aus Prinzip nicht.
Mit all den Stops gingen die 9 Stunden Fahrt recht schnell vorbei.

Manakara - Mananjary

In Manakara hatten wir für zwei Nächte einen schönen Bungalow in einer Hotelanlage direkt am Meer. Der Strand war sehr schön, aber das Wetter zu kalt zum Baden. Aber das wird glaube ich auch nicht unbedingt empfohlen, anscheinend soll es dort Haie geben.


Nach Mananjary fuhren wir wieder mal mit dem Taxi-B. Diesmal hatten wir echt nette Fahrer und wurden weder beim Preis, noch bei der Reservation irgendwie übers Ohr gehauen. Am Donnerstag Morgen haben sie uns sogar beim Hotel abgeholt und in Mananjary die Bootsanlegestelle und das Hotel gezeigt.


Mananjary - Nosy-Varika
In Mananjary sind wir dann ein bisschen länger geblieben als geplant. Erstens war das MAF Flugzeug nicht am Sonntag, sondern erst am Dienstag in Nosy-Varika. Somit haben wir zwei Tage gewonnen. Und zweitens haben wir am Sonntag das Schiff nach Nosy-Varika verpasst. Wer kann auch ahnen, dass in Madagaskar ein Schiff pünktlich abfährt... Wie wir aber am Montag festgestellt haben, kann man sich auch darauf nicht verlassen, denn da haben wir wieder gewartet.
Das Gute am Verpassen des Bootes war dafür, dass wir so richtig schönes Wetter hatten und den ganzen Tag am Strand und im Wasser sein konnten.


Lektion Nummer 5: in Madagaskar kann ein Gefährt pünktlich abfahren, aber meistens erst später. Und die Fahrt dauert immer länger als sie einem sagen.



Die Bootsfahrt war auch super. Es ist so, dass jeder ein bisschen Reis mitnimmt, welcher dann von der Besatzung gekocht wird. Gegessen wird also auf dem Boot. Aber zwischendurch haben wir an Dörfern haltgemacht, um jemanden rauszulassen oder aufzuladen. So konnte man sich ein bisschen die Beine vertreten. Ausserdem konnte man auf das Dach des Bootes gehen, falls einem die Holzbänke mal zu hart wurden.




Nosy-Varika - Tana

Die Landebahn in Nosy-Varika ist ein bisschen abseits des Dorfes, darum mussten wir etwa 6km herrlichen Sandweg zurücklegen. Zum Glück hatten wir ein Quadbike zur Verfügung, welches der MAF gehört und noch in Nosy-Varika abgestellt war. Das hat dann echt Spass gemacht, auf jeden Fall besser als marschieren :-)

Im Grossen und Ganzen war die Reise absolute Klasse, trotz der eher unschönen Abzockereien! Das wird mir aber nicht mehr so schnell passieren, man lernt ja dazu. Als Weisser muss man sich halt ein bisschen ins Zeug legen, um nicht abgezockt zu werden.

Die Fotos waren wieder mal gesponsert von Tilman, da es bei mir ja mal wieder länger dauert. Falls dann ein paar zeigenswerte dabei sind, werde ich das nachholen.

Gestern war ich übrigens mit unseren beiden Piloten in Tuléar. Auf dem Weg dorthin sind wir ein paar kleinere Dörfer angeflogen und haben dann in Tuléar übernachtet. Heute wieder das gleiche, einfach in die andere Richtung. Die letzten zwei Wochen hatte ich es wirklich sehr locker.

Ciao

Matthias